Politik : Odenwaldschule – Hentig wollte Skandal aussitzen

Heppenheim - Der vielfach ausgezeichnete Pädagoge Hartmut von Hentig (85) hat sich noch im Mai für ein „Aussitzen“ des Missbrauchsskandals an der Odenwaldschule ausgesprochen. Der Freund und Lebensgefährte des schwer belasteten ehemaligen Schulleiters Gerold Becker schrieb im Mai 2010 in einem Brief, der der FAS vorliegt: „Meine (nicht leicht einzuhaltende) Strategie: Aussitzen.“ In vier Jahren könne man dann „in Ruhe auf all dies zurückblicken und ’lernen’ – oder wir haben einen neuen Fundamentalismus, der auch die letzten Regungen der Aufklärung beseitigt“.

   Der um Aufklärung bemühten derzeitigen Leiterin der Odenwaldschule in Heppenheim, Margarita Kaufmann, warf er in dem Brief an den Sohn eines Weggefährten „Schädlichkeit für die Schule, für die Pädagogik, für die Sache der Opfer“ vor. In einem anderen Brief, den er im April 2010 einem geschlossenen Kreis übermittelte, verteidigte Hentig seinen Partner, den im Juli 2010 gestorbenen Becker. Dass Becker bis zuletzt nicht über seine Taten offen geredet habe, sei, wenn überhaupt, „ein taktischer“ Fehler gewesen. Hätte er früher von Beckers Taten gewusst, so hätte er ihn „mit aller Kraft meiner Freundschaft dazu gebracht“, die Opfer um Entschuldigung zu bitten. dpa

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