OECD-Bildungsbericht : Mehr Hochschulabsolventen in Deutschland

Das Bildungssystem in Deutschland holt auf. So schließen heute deutlich mehr junge Menschen erfolgreich ab als noch vor 1998. Dagegen warnt die OECD vor "neuen Hürden" bei der Hochschulzulassung.

Berlin (13.09.2005, 14:50 Uhr) - Das deutsche Bildungssystem schneidet im weltweiten Vergleich wieder besser ab. Der neue OECD-Bildungsbericht hebt positiv die neuen Ganztagsschulen, mehr Studenten und mehr Hochschulabschlüsse hervor. Beklagt werden hingegen die im Vergleich zu anderen Industrienationen nach wie vor zu wenigen Abiturienten.

Während in Deutschland von 100 jungen Menschen 35 ihre Schule mit Hochschulreife verlassen, sind dies im Schnitt der OECD-Staaten 54. OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher sagte am Dienstag in Berlin, ein Mangel an jungen Menschen mit Studienberechtigung begrenze auf Dauer wirtschaftliches Wachstum.

Der jährliche Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vergleicht die Bildungssysteme der 30 wichtigsten Industrienationen. Deutschland habe nach dem «angestauten Reformrückstand» in den 80er und 90er Jahren «die Trendwende hin zu mehr Spitzenqualifikation» geschafft, sagte Schleicher. Gleichwohl seien noch große Kraftanstrengungen nötig, um bei Schulen und Hochschulen Anschluss an den internationalen Leistungsstand zu bekommen.

Statt 28 Prozent wie noch 1998 beginnen heute in Deutschland 38 Prozent eines Jahrganges ein Studium. International sind dies hingegen über 50 Prozent, in Schweden, Finnland und Polen sogar über 70 Prozent. Schleicher sagte, diesen Staaten gehe es nicht nur um die Deckung ihres aktuellen Arbeitskräftebedarfes. Viele bereiteten ihre jungen Menschen bereits heute für die Qualifikationen von morgen vor. «Der Trend in allen Industrienationen hin zu mehr akademisch ausgebildeten Fachkräften ist nicht aufzuhalten.»

Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) führt den Zuwachs bei den Studienanfängern vor allem auf die Bafög-Reform von 2001 zurück. Angesichts der Studiengebühren-Pläne mehrerer Bundesländer und unklarer Aussagen der CDU/CSU zur Zukunft des Bafögs warnte sie «vor einer Rolle rückwärts» in der Bildungspolitik. Auch Schleicher sagte, an den deutschen Hochschule dürften «keine neuen Hürden errichtet werden».

Sorge bereitet Bulmahn der jetzt erstmals wieder festgestellte Rückgang der Studienanfängerzahlen um 5,5 Prozent. Ein interner Bericht der Kultusminister, der der dpa vorliegt, führt als mögliche Gründe unter anderem die Studiengebührendebatte und die Angst der Studenten vor hoher Verschuldung an. Des weiteren wird auf die «erhebliche Ausweitung» des Numerus clausus (NC) sowie die Schließung von Fakultäten und ganzer Studiengänge infolge von Sparmaßnahmen in den Ländern verwiesen.

Entgegen den Prognosen ging 2004 die Anfängerzahl bundesweit von 380 000 auf 360 000 zurück, insbesondere in Niedersachsen und Berlin (je rund 12 Prozent), Saarland (10) und Baden-Württemberg (5,9).

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Johanna Wanka (Brandenburg/CDU), hält ebenfalls mehr Studenten für nötig. Sie kritisierte dabei den Abbau von Studienplätzen vor allem in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Nach dem OECD-Bericht erwerben in Deutschland heute 19,5 Prozent eines Jahrganges einen Hochschulabschuss (1998: 16 Prozent). Der OECD-Schnitt liegt allerdings schon bei 32,2 Prozent. Der Zuwachs in Deutschland wird vor allem darauf zurückgeführt, dass deutlich mehr Frauen ein naturwissenschaftliches Studium aufgenommen haben. In den Biowissenschaften und der Physik sind dies inzwischen 45 Prozent.

Das Studium zahlt sich aus: Akademiker sind in Deutschland mit 5,2 deutlich seltener arbeitslos als Facharbeiter (10,2 Prozent) oder Ungelernte (18 Prozent). Hochschulabsolventen haben auch deutlich höhere Einkommen. Zugleich profitiere auch der Staat durch höhere Steuereinnahmen und volkswirtschaftliche Erträge von den Investitionen in die Bildung, wie internationale Studien belegten, sagte Schleicher. ()

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