OECD-Migrationsbericht : Wirtschaftskrise trifft Migranten besonders hart

Ausländer sich stärker vom derzeitigen Konjunkturabschwung betroffen als Inländer. Das hängt vor allem mit den Branchen zusammen, in denen sie beschäftigt sind, berichtet die OECD. Die Organisation warnt vor allem Deutschland vor einer "Abschottung gegen Migranten".

Cosima Stawenow

Berlin Die Wirtschaftskrise trifft Ausländer besonders hart. Migranten werden schneller arbeitslos, denn sie arbeiten häufiger in Branchen, die anfällig für Konjunkturschwankungen sind, wie dem Bau oder dem Gastgewerbe. Das geht aus dem Migrationsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, der am Dienstag in Paris vorgestellt wurde. Bereits 2007 war demnach die Arbeitslosenquote unter Migranten in Deutschland doppelt so hoch wie bei Inländern. Hinzu kommt, dass viele reiche Länder auf die Krise reagieren, indem sie die Zuwanderung stärker kontrollieren.

Die OECD warnte die Mitgliedsländer vor einer „Abschottung gegen Migranten“. Gerade Deutschland mit seiner schwindenden Bevölkerung sei auf Arbeitskräfte angewiesen. Zuwanderungspolitik könne nur funktionieren, wenn sie langfristig angelegt sei. Thomas Liebig, deutscher Arbeitsmarktexperte der OECD, befürchtet einen akuten Arbeitskräftemangel in einigen Jahren. Zuwanderer fallen in soziale Isolation, wenn sie in der Rezession den Kontakt zum Arbeitsmarkt verlieren, sagte Liebig der Nachrichtenagentur AP. Doch das ist nur ein Teil des Problems. In den OECD-Staaten werde die Qualifikation der Migranten „von den Arbeitgebern häufig als minderwertig betrachtet,“ heißt es in dem Bericht.

Die OECD rief ihre Mitglieder dazu auf, die Diplome und Berufserfahrungen der Einwanderer als solche anzuerkennen. Außerdem solle vor allem Deutschland mehr ausländische Studenten anwerben. Josef Winkler, Migrationsexperte der Grünen, hält die Bedingungen für Studenten aus dem Ausland in Deutschland nicht für attraktiv. Ein Absolvent aus Indien beispielsweise habe nur ein Jahr Zeit, einen Beruf in Deutschland zu finden. Nach Ablauf dieser Frist erhalte er keine Aufenthaltsgenehmigung mehr. „Ich bin der Meinung, dass Deutschland durch diese Aussortierung nicht konkurrenzfähig im Kampf um die besten Köpfe bleiben kann,“ sagte Winkler dem Tagesspiegel.

Winkler sprach sich zudem für eine Öffnung Deutschlands gegenüber den neuen EU-Mitgliedstaaten aus. Bürger aus Ländern wie Polen, Ungarn oder Rumänien, die 2004 beziehungsweise 2007 der EU beigetreten sind, bekommen in Deutschland noch keine uneingeschränkte Arbeitsgenehmigung. Winkler räumte jedoch ein: „Die Krise ist sicher nicht der geeignete Zeitpunkt, die Migration auszuweiten“. 

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