Politik : OECD warnt vor Altersarmut „Deutsches Rentensystem nicht genug gewappnet“

Frankfurt/Main - Das Deutsche Rentensystem ist nach Ansicht der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nicht ausreichend gegen drohende Altersarmut gewappnet. Zur Zeit sei die Lage noch „solide“, sagte OECD-Rentenexpertin Monika Queisser der „Frankfurter Rundschau“. In Zukunft jedoch stehe es „weniger gut“ um die Versorgung von Geringverdienern sowie um die zunehmende Zahl derjenigen, die nicht durchgehend Rentenbeiträge gezahlt hätten.

Zwar sei die Armutsquote von Ruheständlern noch vergleichsweise niedrig; dies werde sich jedoch in 30 bis 40 Jahren ändern. „Darüber macht sich die OECD Sorgen“, sagte Queisser. Für Geringverdiener fehle „in Deutschland eine automatische Altersabsicherung“, warnte sie. Schon Mitte 2007 hatte die Organisation vor zunehmender Altersarmut in Deutschland gewarnt und darauf verwiesen, dass Deutschland bei den Renten für Geringverdiener unter den 30 OECD- Ländern an letzter Stelle liege.

Queisser empfahl der Bundesregierung, „andere Wege“ zu gehen und sich am Vorbild der Schweiz zu orientieren. Deren Drei-Säulen-Modell von staatlicher Sockelrente sowie einer Pflicht zur zusätzlichen betrieblichen und privaten Altersvorsorge habe den Vorteil, dass es alle Bürger nach ihrer Leistungsfähigkeit einbeziehe und die Abhängigkeit von sozialpflichtiger Beschäftigung vermindert werde. Aus Gründen des Eigentumsschutzes müsse der Systemwechsel jedoch in einem „gleitenden Übergang“ von 30 bis 40 Jahren vollzogen werden.

Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband erwartet eine starke Zunahme der Altersarmut. „Gerade vor dem Hintergrund sinkender gesetzlicher Rentenniveaus müssen wir davon ausgehen, dass es in Deutschland im Jahr 2020/2030 eine Altersarmut von zehn Prozent oder mehr geben wird“, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider der „Berliner Zeitung“. Derzeit liege der Anteil der Menschen, die im Rentenalter von Grundsicherung leben müssen, bei rund 2,5 Prozent.

Der Präsident der Rentenversicherung hingegen sieht in der Altersarmut „kein aktuelles Problem“. Es gebe keinen Grund, „jetzt in Panik zu geraten“, sagte Herbert Rische der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Allerdings müsse man sehen, dass der Anteil der Geringverdiener zunehme. „Und wer wenig verdient, kann nicht in großem Stil für das Alter vorsorgen.“ Man müsse deshalb dafür sorgen, dass Scheinselbstständige, Langzeitarbeitslose und Erwerbsunfähige nicht durch das Netz der Rentenversicherung fallen. Mit einer durch Steuergelder finanzierten Mindestrente für Geringverdiener aber, wie sie der Chef des Sachverständigenrates, Bert Rürup, gefordert hat, würden laut Rische „am Ende alle Bemühungen um Eigenvorsorge ad absurdum“ geführt. ddp/dpa

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