Öffentlicher Dienst : Tausende streiken in Kliniken und Pflegeheimen

Der Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst eskaliert: Derzeit ruht die Arbeit vor allem in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Nächste Woche könnte sich der Müll türmen.

Streik
Auch im Rhein-Nekar-Raum wird gestreikt. -Foto: dpa

BerlinMehr als 12.000 Beschäftigte in weiten Teilen Westdeutschlands sowie in Mecklenburg-Vorpommern legten die Arbeit nieder, teilt die Gewerkschaft Verdi mit. Betroffen waren vor allem kommunale Gesundheitseinrichtungen. Bundesweit beteiligten sich demnach Mitarbeiter in rund 150 Krankenhäusern und Pflegeheimen. Die Warnstreiks sollen bis Freitag nächster Woche dauern und auch andere Bereiche des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen treffen.

Ein Schwerpunkt der Aktionen am ersten Streiktag lag in Nordrhein-Westfalen. Dort ließen im Tagesverlauf rund 5000 Beschäftigte in mehr als 50 Kliniken und Altenpflegeheimen mehrere Stunden lang die Arbeit ruhen. "Gerade im Gesundheitswesen ist die Arbeit in den letzten Jahren durch den enormen Stellenabbau immer schwieriger und stressiger geworden", sagte Verdi-Landesleiterin Gabriele Schmidt bei einer Kundgebung in Bottrop. Nach Angaben der Gewerkschaft wurden von 1996 bis 2006 bundesweit 200.000 Stellen in Kliniken und Heimen gestrichen.

Auch Hessen, Niedersachsen und Bayern betroffen

In Hessen legten laut Gewerkschaft Beschäftigte in 30 Gesundheitseinrichtungen die Arbeit nieder. Mit Plakaten wie "Das Gesundheitswesen wird tot gesperrt" machten Demonstranten in Hanau ihrem Ärger Luft. Weitere Kliniken waren in Niedersachsen, Bayern und im Saarland betroffen. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg Vorpommern ruhte die Arbeit auch in Verwaltungseinrichtungen.

Nach mehreren Verhandlungsrunden ohne Annäherung hatten Verdi, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sowie der Deutsche Beamtenbund (DBB) erste Arbeitskampfmaßnahmen beschlossen. Sie verlangen für die Beschäftigten von Bund und Kommunen eine Lohnanhebung um acht Prozent, wenigstens aber 200 Euro mehr im Monat. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll ein Jahr betragen. Die Arbeitgeber bieten eine Lohnanhebung um fünf Prozent für zwei Jahre und wollen zugleich die Arbeitszeit im Westen von 38,5 Wochenstunden auf das Ost-Niveau von 40 Stunden anheben.

Auch Müllmänner bald im Ausstand

Bis Freitag nächster Woche soll es Ausstände unter anderem auch bei der Müllentsorgung, in Amtsstuben und den Stadtwerken geben. In Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt etwa sind zwischen dem 19. und 22. Februar Warnstreiks geplant, beispielsweise in Sparkassen und Kindertagesstätten. In Berlin und Brandenburg sind ebenfalls Arbeitsniederlegungen vorgesehen.

Die nächsten Tarifgespräche sind für den 25. Februar erneut in Potsdam angesetzt. "Ich setze nach wie vor darauf, dass die Gewerkschaften auch ihre Forderung modifizieren", sagte der Präsident der kommunalen Arbeitgeberverbände, Thomas Böhle, im ZDF. Die Arbeitgeberseite werde sich über ihr eigenes Angebot gesprächsbereit zeigen, kündigte er an. (ae/AFP)

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