Politik : Ökosteuern: Mit Energie für die Umwelt

Dagmar Dehmer

Lester R. Brown ist 67 Jahre alt. Der Gründer des Worldwatch Institutes in Washington hat sich trotzdem nicht weniger vorgenommen, als noch einmal "die Welt aufzuwecken". Vor einem guten Monat hat er deshalb das Earth Policy Institute gegründet. Das neueste Ziel des Agrarökonomen und Umweltschützers ist die Vision einer Wirtschaft, "die sich als Teil der Umwelt versteht und nicht umgekehrt". Lester R. Brown hat dafür auch schon einen Begriff gefunden: Öko-Ökonomie. Am Mittwochabend hielt er vor dem Club von Berlin einen Vortrag über diese neue Wirtschaft.

Dass die Erde an die Grenzen ihrer Kapazität gekommen ist, predigt Brown, seit er 1974 das Worldwatch Institute gegründet hat. Und bei allem Respekt vor wirtschaftlichen Abläufen ist Brown doch auch überzeugt, "dass die Ökonomie uns nicht erklären kann, warum die Polkappen schmelzen". Trotzdem ist es ihm wichtig, dass die Umweltbewegung nicht mehr wie in den 70er und 80er Jahren vor allem gegen etwas ist.

Er will ökonomische Entscheidungen zugunsten der Ökologie gewendet wissen. Am wichtigsten sei es deshalb, dass "die Preise die Wahrheit sagen". Für Brown liegt der Schlüssel zur neuen Wirtschaft in einer grundlegenden Reform des Steuersystems. Die Deutschen hätten mit der Ökosteuer einen Anfang gemacht. Doch das reiche nicht aus. "Die Einkommensteuer muss sinken. Verbrauchssteuern, insbesondere umweltrelevante müssen steigen", sagt Brown.

Dass der Umweltschützer mit solchen Vorstellungen derzeit wenig Unterstützung von seiner Regierung erwarten kann, weiß Brown. Und diese Skepsis schlug ihm auch in Berlin entgegen. Einer meinte gar, die Wirtschaft der USA gleiche einer Dritte-Welt-Ökonomie weit mehr als die europäische. Doch Lester Brown kann selbst der "Ahnungslosigkeit der Regierung Bush" noch etwas abgewinnen. Eines müsse man dem neuen Präsidenten nämlich lassen: "Bush hat aus der Umweltpolitik ein Topthema gemacht. Das ist Al Gore in acht Jahren Vizepräsidentschaft nicht gelungen." Und gegen so viel Inkompetenz helfen aus Browns Sicht dann doch nur noch wirtschaftliche Argumente.

Zum Beispiel bei der Windenergie, die in Bushs Energiekonzept bisher nicht vorkommt. Brown berichtete, dass die Stromerzeugung aus Windkraft in den USA allein in diesem Jahr um rund 60 Prozent steigen wird. Für amerikanische Bauern lohne es sich, ihr Land für Windfarmen zur Verfügung zu stellen. Damit könnten sie mehr verdienen als mit Weizen oder Mais. Brown schloss versöhnlich: "Ich bin mir sicher, dass der Markt dieses Problem auch ohne den Präsidenten lösen wird."

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