Politik : Öl oder Image?

Harald Maass

Peking - Kaum etwas ist für China so wichtig wie die Energiesicherheit. Und so bringt der Atomstreit mit Iran Peking in eine Zwangslage. Teheran ist einer der wichtigsten Energielieferanten der Volksrepublik. Ein Achtel aller chinesischen Rohölimporte kommt aus Iran – jährlich rund 300 000 Barrel. Gute Beziehungen zum Regime sind für Peking deshalb von strategischer Bedeutung, zumal China in Iran große Pläne hat: Im Oktober 2004 unterzeichnete der staatliche chinesische Ölkonzern Sinopec eine Absichtserklärung mit Teheran zur Entwicklung eines neuen Erdölfeldes. Das Geschäft, das Gas- und Öllieferungen für 25 Jahre vorsieht, soll einen Umfang von 100 Milliarden Dollar haben und kurz vor dem Abschluss stehen.

Sanktionen oder andere Druckmittel gegen Iran lehnte China – eines der fünf ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat – deshalb stets ab. „Es gibt in der Region bereits eine Menge Probleme und wir sollten nichts unternehmen, das die Situation sogar noch komplizierter machen könnte“, sagte UN-Botschafter Wang Guangya vergangene Woche. Außenminister Li Zhaoxing betont weiter, dass der Konflikt „durch Verhandlungen“ gelöst werden müsse.

Allerdings macht man sich in Peking auch Gedanken über das internationale Ansehen. In den USA und Europa, den wichtigsten Handelspartnern, wird heute schon von einer neuen „gelben Gefahr“ gesprochen. Manche fürchten China als aufstrebende Großmacht und Wirtschaftsnation als künftigen Konkurrenten.

Peking muss deshalb aufpassen, dass es im Atomstreit mit Iran nicht plötzlich auf der falschen Seite steht. Chinas Führer spüren Druck aus dem Westen. Der einflussreiche US-Senator John McCain aus Arizona drohte vergangene Woche mit einer Verschlechterung der Beziehungen, falls Peking und Moskau sich weiter gegen Sanktionen stellen würden. „Das wird ganz klar viele Bereiche der Zusammenarbeit zwischen unseren Ländern betreffen“, sagte McCain. „Da wird es eine Reaktion im US-Kongress geben.“

Peking habe kein Interesse daran, dass Iran zur Atommacht wird, sagen chinesische Diplomaten. Allerdings will China auch auf seine Ölinteressen in dem Land nicht verzichten und wird bis zuletzt auf Verhandlungen drängen. Sollte es aber zu einer Kampfabstimmung im UN-Sicherheitsrat über Sanktionen gegen Iran kommen und sollte Russland kein Veto einlegen, wird Peking eine Vorlage der USA vermutlich nicht blockieren.

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