Öl-Tanker unter nordkoreanischer Flagge : Spezialeinsatzkräfte stürmen mit libyschem Öl beladene "Morning Glory"

Navy Seals und Spezialkräfte von SOCEUR stürmen Öl-Tanker. Zuvor hatte Libyens Regierung mit einer Bombardierung des Schiffes gedroht.

Ein offizielles Foto der US-Navy von einem Sea-Hawk-Helikopter vor wenigen Tagen im Atlantik.
Ein offizielles Foto der US-Navy von einem Sea-Hawk-Helikopter vor wenigen Tagen im Atlantik.Foto: AFP

Europäische und US-Spezialeinsatzkräfte haben am Sonntagabend den mit libyschem Öl beladenen Tanker „Morning Glory“ im Mittelmeer aufgebracht. Gemeinsam mit dem Verbundskommando SOCEUR habe ein Team der Navy Seals das staatenlose Schiff in internationalen Gewässern südöstlich von Zypern unter seine Kontrolle gebracht, teilte das US-Verteidigungsministerium am Montagmorgen mit.
Niemand sei bei dem von US-Präsident Barack Obama genehmigten Einsatz verletzt worden. Dem Pentagon zufolge hatten die Regierungen Libyens und Zyperns um den Einsatz gebeten.
Anfang März hatten bewaffnete Gruppen den libyschen Ölverladehafen Al-Sidra besetzt und illegal verkauftes Öl auf die „Morning Glory“ verladen. Der Tanker, der unter nordkoreanischer Flagge unterwegs war, hatte den Hafen in der vergangenen Woche verlassen. Libyens Regierung hatte mit einer Bombardierung des Schiffes gedroht.

Am vergangenen Mittwoch hatte Libyens Parlamentspräsident Nuri Abu Sahmein den Besetzern der Ölverladehäfen im Osten des Landes ein Ultimatum gestellt. Sollten die bewaffneten Gruppen nicht binnen zwei Wochen abziehen, müssten sie mit einem Angriff rechnen, hieß es.
Der mit illegal verkauftem Öl beladene Tanker hatte Anfang vergangener Woche einen libyschen Hafen verlassen. Er hatte in Al-Sidra Öl geladen, das von einer selbsternannten Autonomieregierung verkauft worden war. Wer der Käufer ist, ist weiter unklar. Die „Morning Glory“ war am vergangenen Mittwoch nach libyschen Medienberichten vor der ägyptischen Mittelmeerküste gesichtet worden.

Nordkorea wies jede Verantwortung für den unter seiner Flagge fahrenden Tanker zurück. Das Schiff werde von dem ägyptischen Unternehmen Golden East Logistics Company betrieben, berichteten die Staatsmedien. Dem Tanker sei es nur „vorübergehend gestattet, die Flagge der Volksrepublik sechs Monate lang zu nutzen“. Nordkorea habe dem Unternehmen in Alexandria wegen des illegalen Öl-Geschäftes Vertragsbruch vorgeworden und ihm inzwischen die Registrierung entzogen. Ein Sprecher der Firma Golden East Logistik sagte auf Anfrage, das Unternehmen betreibe den Tanker nicht, sondern habe nur die Gültigkeit der Schiffspapiere überprüft.
Eine Gruppe islamistischer Parlamentarier hatte die missglückte Blockade des Tankers am vergangenen Dienstag benutzt, um Regierungschef Ali Seidan per Misstrauensvotum zu stürzen. Die Regierung, die nun kommissarisch von Verteidigungsminister Abdullah al-Thinni geleitet wird, dankte Seidan für die Arbeit, die er zuletzt als Ministerpräsident und davor als Oppositioneller geleistet hatte. Seidan hatte sich nach seiner Entmachtung nach Europa abgesetzt. Der libysche Generalstaatsanwalt hat ein Ermittlungsverfahren wegen Korruption gegen ihn eröffnet und will Interpol einschalten. dpa

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