Politik : Ölpreis: Sparmodell

Alfons Frese

So richtig kommt er nicht in Fahrt, der Lupo. Das erste so genannte Drei-Liter-Auto auf dem deutschen Markt wird weniger gekauft, als von VW erwartet. Das hängt auch mit dem Preis zusammen, denn der Kleinwagen kostet mehr als 26 000 Mark. Deshalb erwägt VW, die Produktion vom teuren Wolfsburg ins günstigere Portugal zu verlegen; dann könnte der Kleine womöglich einige Tausend Mark billiger produziert und verkauft werden. Dass der Lupo das umweltfreundlichste Auto in der Bundesrepublik ist, verschafft ihm offenbar keinen Wettbewerbsvorteil. In der Regel werden Autos nicht nach ökologischen Kriterien gekauft. Im Gegenteil, der Trend zur höheren Motorisierung - viele PS und hoher Verbrauch - ist ungebrochen. Beliebt sind starke Autos, weniger die sauberen.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) macht alljährlich einen "Öko-Check" und prämiert die am wenigsten umweltschädlichen Autos. In diesem Jahr folgten auf den Plätzen hinter dem Lupo der Toyota Yaris und der Daihatsu Sirion. In der Kompaktklasse waren der Seat Leon Stella und der neue Audi A2 die Umweltbesten, bei den Familienautos lagen der Ford Focus und der VW Golf Variant vorn. Mercedes und BMW, die vor fünf Jahren auch ein serienreifes Sparmobil für das Jahr 2000 angekündigt hatten, gingen leer aus. Überhaupt ist der Fortschritt in der angeblich so innovativen deutschen Autoindustrie für den Verkehrsclub eine Schnecke: Im Schnitt verbraucht ein neu zugelassener Wagen heute auf 100 Kilometern nur 1,3 Liter weniger als vor zehn Jahren, statt 8,75 nun 7,42 Liter. Und im Stadtverkehr liege der Durchschnittsverbrauch eines Neuwagens immer noch über zehn Liter, klagt der VCR.

Der Verband der Autoindustrie (VDA) macht eine andere Rechnung auf. Die hiesigen Hersteller haben sich verpflichtet, den durchschnittlichen Kraftstoffverbrauch neu zugelassenener Autos bis 2005 um 25 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Bis jetzt ist der Verbrauch laut VDA bereits um 15,5 Prozent gesunken. "Zwei Drittel des Zieles sind also bei zwei Drittel des Weges erreicht", lobt VDA-Präsident Bernd Gottschalk seine Mitgliedsfirmen. Dabei sei in den vergangenen zwei Jahren der Verbrauch aller Kraftfahrzeuge um jeweils 3,2 Prozent gesunken; damit "haben wir unser Jahressoll sogar übererfüllt".

Je höher der Kraftstoffverbrauch, desto mehr Schadstoffe blasen die Autos in die Luft. Auch auf Grund der sparsameren Dieselmotoren - in den vergangenen zwei Jahren hat sich die Zahl der Diesel-Fahrzeuge nahezu verdoppelt - reduzieren sich die CO 2

Emissionen. Eine Erhöhung des Dieselanteils um zehn Prozent (derzeit sind es rund 30 Prozent aller Autos) würde nach VDA-Angaben die CO2

Menge um zwei bis drei Prozent senken. Wenn die Deutschen eine ähnliche Diesel-Motorisierung erreichen wie die Franzosen, Belgier oder Österreicher (alle über 50 Prozent) sinken Verbrauch und Emissionen ganz erheblich. Auf Grund dieses Trends in der Motorisierung, auf Grund verbesserter Motortechnik und der Ausrüstung des gesamten Autobestandes mit Katalysatortechnik geht der VDA davon aus, dass zwischen 1986 und 2010 der Ausstoß von Kohlendioxid um 80 Prozent und von Stickoxid um 75 Prozent sinkt.

Vielleicht gibt es ja bis dahin auch das so genannte Ein-Liter-Auto, das VW-Chef Ferdinand Piëch gerade eben angekündigt hat. Möglich ist eine ganze Menge - wenn der Preis stimmt. Greenpeace hält Piëchs Ankündigung für Propaganda, denn solch ein Auto würde beim jetzigen Stand der Technik mehr als 100 000 Mark kosten, hat die Umweltorganisation berechnet. Und dass Volkswagen mit aller Kraft am sparsamen Auto arbeitet, lässt sich nicht unbedingt sagen. Gegenwärtig fließen vielmehr Milliarden in die Marken Bentley und Rolls-Royce sowie in die Luxusauto-Manufaktur in Dresden - und von diesen Fahrzeugen verbraucht eins so viel Sprit wie zehn Lupo.

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