Österreich : Ausschreitungen in Indien nach Wiener Tempel-Überfall

Mirko WeberD

Wien - Die Pelzgasse ist eine unscheinbare Straße und die Nummer 17 ein unscheinbares Mietshaus in der Nähe des Westbahnhofs. Im Erdgeschoss war seit den Weihnachtstagen des Jahres 2005 von indischen Gläubigen ein Gebetsraum eingerichtet worden; angemeldet wurde der Verein unter dem Namen „Shri Guru Ravi Dass Sahba Vienna“. Am Sonntag war einer der Namensgeber der Glaubensgemeinschaft, Dass Sahba, zusammen mit einem weiteren indischen Guru nach Wien gekommen. Zwischen zwei- und dreihundert Zuhörer erschienen. Dann lösten sich Schüsse aus einer Pistole, Messer wurden gezogen, und es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf sechzehn Personen teilweise schwer verletzt wurden. In der Nacht zum Montag ist der zunächst notoperierte Guru Sant Rama Anand im Krankenhaus gestorben. Gegen die sechs mutmaßlichen Täter, allesamt Asylbewerber, haben die Behörden inzwischen Haftbefehl erlassen.

Kumar Baluinder, der Vizepräsident des Vereins, glaubt am Montag nicht an die Theorie, derzufolge es sich um einen Familienstreit gehandelt haben könnte. Er vermutet die Täter unter den Angehörigen einer anderen Sikh-Gruppe aus Wien, die am Sonntag mit ungewöhnlichen blau-gelben Turbanen zur Predigt erschienen seien. Vorher seien die noch nie im 15. Bezirk aufgetaucht.

Der mit dem Leben davongekommene Sikh-Prediger Dass ist der Führer der Glaubensbewegung Dera Sackhand. Im nordindischen Punjab, wo die Gruppierung viele Anhänger hat, ist es nach Bekanntwerden der Ereignisse in Wien zu schweren Auseinandersetzungen gekommen, so dass der Ausnahmezustand verhängt werden musste. Nach unbestätigten Berichten kamen dabei zwei Menschen ums Leben. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache nutzte die Schießerei, um seinen ohnehin ausländerfeindlichen Wahlkampf zu verschärfen. Strache sprach im Hinblick auf die Europawahl am 7. Juni davon, dass die bestehende österreichische Zuwanderungspolitik „in die multikulturelle Kriminalität“ führe. Mirko Weber

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