Österreich : Der Erbe Haiders

Stefan Petzner ist der neue Chef des Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ). Er tritt damit die Nachfolge des am Wochenende verstorbenen Jörg Haider an und hat nun die Aufgabe einer Partei Struktur zu geben, deren primäres Programm Haider hieß.

Markus Huber[Wien]
Stefan Petzner
Der neue BZÖ-Chef Stefan Petzner brach bei der Pressekonferenz zu Jörg Haiders Tod in Tränen aus. -Foto: AFP

Einer größeren Öffentlichkeit wurde er bekannt, als er im schwarzen Anzug, schwarzer Krawatte und mit Tränen in den Augen der Weltöffentlichkeit erklärte, dass mit Jörg Haider nicht nur ein Politiker gestorben ist, sondern „mein bester Freund. Mein Lebensmensch.“ Die Art und Weise, wie Stefan Petzner das tat, wird wohl lange in Erinnerung bleiben: Immer wieder schüttelte es ihn während dieser Pressekonferenz, immer wieder versagte ihm die Stimme, immer wieder brach er in Tränen aus.

Die österreichischen Medien haben diese Bilder immer wieder ausgestrahlt, weil, erstens: Wann sieht man schon einen Politiker weinen? Zweitens: Dieses Bild sollte wohl sehr viel aussagen über das Verhältnis zwischen Haider und seinem politischen Ziehsohn Petzner. Und drittens ist Petzner seit Sonntag der neue starke Mann in Jörg Haiders Partei, dem Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ).

Der 27-jährige Petzner wurde am Sonntag von seinen Parteifreunden einstimmig zum Nachfolger Haiders an der Parteispitze berufen. Er soll nun dieses Bündnis führen, und nach den Wünschen seiner Parteifreunde tatsächlich möglichst zukunftsfest machen. Ob und wie er das schaffen wird, ist freilich völlig unbekannt. Denn politisch ist Petzner bis dato noch nicht wirklich aufgefallen.

Seit 2004 ist der gebürtige Steirer im engeren Zirkel der BZÖ-Macht. Direkt von der Uni, die er übrigens noch nicht abgeschlossen hat, hatte Haider den stets braun gebrannten Petzner als seinen persönlichen Sprecher engagiert. Und seit damals wich Petzner seinem Idol nicht von der Seite, auch wenn er im Laufe der Jahre immer mehr Funktionen bekam. Zunächst wurde er BZÖ-Generalsekretär, dann stellvertretender Parteichef. Da die Partei aber de facto keine Struktur, und abseits von Haider auch kein Eigenleben hatte, blieb Petzner im Grunde stets Haiders Assistent – und sein persönlicher Pressesprecher. Außer mit der Textierung von Werbeplakaten in Kärnten („Wollen Sie die endgültige Lösung der Ortstafel-Frage?“) ist er mit politischen Ideen oder Initiativen noch nicht nennenswert aufgefallen.

Wie er die Parteilinie nun definieren möchte, wurde Petzner in den vergangenen Tagen mehrmals gefragt. Seine Antwort war dabei stets die gleiche: „Im Sinne Jörg Haiders.“ Er werde versuchen, in den großen Schuhen zu gehen und nicht zu fallen, erklärte Petzner tapfer. Ihm wird selbst bewusst sein, welch schwieriges Erbe er antritt: Selbst politische Gegner beschrieben Haider als „Ausnahmepolitiker“, der die Massen manipulieren konnte.

Konkret wird Petzner zunächst einmal verhindern wollen, dass FPÖ und BZÖ sich allzu schnell wieder vereinigen – und, dass es in Österreich neuerlich zu einer großen Koalition kommt. Haider selbst hatte deswegen versucht, den Kontakt zu den ehemaligen Parteifreunden von der FPÖ aufzunehmen, um dadurch mit der ÖVP eine Koalition rechts der Mitte zu ermöglichen. Allein – die ÖVP will das offenbar nicht, wie deren Parteichef Josef Pröll mit der Ankündigung der Aufnahme von Koalitionsgesprächen mit der SPÖ deutlich gemacht hat. Und das ist schon mal nicht im Sinne von Jörg Haider.

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