Österreich : Kirche in der Krise

"Schallende Ohrfeige" für den Papst aus Österreich: Wenige Wochen vor der Amtseinführung scheitert Benedikts konservativer Wunschkandidat für das Amt des Weihbischofs von Linz. Nun reagiert die Österreichische Bischofskonferenz.

Bianca Blei

Nach dem Rücktritt des designierten Linzer Weihbischof Gerhard Maria Wagner am Sonntag und der andauernden Krise der katholischen Kirche, reagiert die Österreichische Bischofskonferenz nun mit einem Hirtenbrief. Darin fordert sie die Gläubigen auf, auch weiterhin Vertrauen in die Kirche zu haben - obwohl die Gläubigen "manche Kritik, auch Spott und Ablehnung erfahren mussten, die zum Teil durch Fehler in der Kirche verursacht waren". Die Bischöfe sehen noch immer mit Sorge nach Oberösterreich und räumen ein, dass die Gläubigen selbst bei der Wahl ihrer geistlichen Vertreter angehört werden müssen. Die Ernennung des als äußerst konservativ geltende Wagner hatte in der Alpenrepublik einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

Einen klaren Eintritt in eine kircheninterne Diskussion hätte sich Hans Peter Hurka von der Plattform "Wir sind Kirche", die für mehr Reformen in der Kirche kämpft, gewünscht: "Es müssen die Grundsatzfragen diskutiert werden um die Kirche zu erneuern. Zum Beispiel: Dürfen Frauen ebenfalls Priester werden oder wie kann man das Pflichtzölibat abschaffen?" In das gleiche Horn stößt die "Laieninitiative" Österreichs, die sich ebenfalls für eine neue katholische Kirche einsetzt. Außerdem sieht der Sprecher der Initiative, Hermann Bahr, im Rücktritt von Gerhard Wagner die "beste Lösung".

Pornos im Priesterseminar

Vatikanexperte Thomas Seiterich beurteilt die Ablehnung des Bischofsamtes von Wagner als "schallende Ohrfeige für Papst Benedikt XVI." Der habe durch die Krise stark an Autorität eingebüßt und sein Image ramponiert. Vor allem das vatikantreue Österreich dürfe man nicht so schlecht behandeln und einen Weihbischof gegen den Willen der Bevölkerung einsetzen, sagt Seiterich.

Schon in früheren Zeiten hatte Österreich wenig Glück mit seinen Bischöfen: So wurde im Jahr 1995 mit dem früheren Wiener Erzbischof Hans Hermann Groer der erste Skandal in der katholischen Alpenrepublik bekannt. Groer wurde damals vorgeworfen, während seiner Zeit als Religionslehrer im niederösterreichischen Knabeninternat Hollabrunn, minderjährige Junge sexuell missbraucht zu haben. Geäußert hat sich Groer bis zuletzt nicht zu diesen Vorwürfen - er starb am 24. März 2003 in St. Pölten. Dort kam es schließlich auch zum nächsten Eklat der österreichischen Bischöfe. Erzbischof Kurt Krenn musste seine Ämter niederlegen, weil unter seiner Leitung im bischöflichen Priesterseminar Kinderpornos auf Computer geladen und homosexuelle Handlungen vollzogen wurden. Für den jüngsten Aufreger schließlich sorgte der Vorarlberger Bischof Elmar Fischer, der Homosexualität "als heilbare Krankheit, wie Alkoholismus" bezeichnete und sich für seine Aussagen später entschuldigte.

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