Österreich : Kontakte zwischen Wiener Islamisten und Krause-Entführern?

Zwischen den in Wien festgenommenen Islamisten und den Entführern von zwei Deutschen im Irak gibt es möglicherweise eine Verbindung. Die drei muslimischen Österreicher sollen Kontakte zu den Entführern von Hannelore und Sinan Krause gehabt haben.

WienDie Islamisten könnten unter anderem die Erpresserbriefe für die Entführer der beiden Deutschen Hannelore und Sinan Krauseverfasst haben, meldet die Wiener Zeitung "Kurier" unter Berufung auf Geheimdienstkreise. Nach Angaben des Innenministeriums hat sich einer der Festgenommenen 2003 auch im Irak aufgehalten. Die drei Verdächtigen, die ein Drohvideo gegen Deutschland und Österreich produziert haben sollen, wurden heute in ein Wiener Untersuchungsgefängnis gebracht.

Wie der österreichische Generaldirektor für öffentliche Sicherheit, Erik Buxbaum, im ORF-Fernsehen betonte, haben die österreichischen Geheimdienste und die Polizei keine "Trojaner" eingesetzt, um die drei Islamisten zu ermitteln. Die Festnahmen seien mit den üblichen Mitteln im Rahmen eines auch in Österreich möglichen "großen Lauschangriffs" vorbereitet worden. Der Einsatz so genannter Trojaner, wie er in Deutschland zurzeit heftig diskutiert wird, ist in Österreich verboten. Nach Angaben von Buxbaum wurde auf Grund einer richterlichen Genehmigung der E-Mail-Verkehr der drei überwachten Muslime arabischer Herkunft "mitgelesen". Der bisher in Österreich verbotene Einsatz von Trojanern wäre "natürlich eine Hilfestellung", meinte der Experte. Die Entscheidung darüber müsse aber auf der politischen Ebene fallen.

Festgenommene Islamisten planten offenbar keine Anschläge

Der 22-jährige Hauptverdächtige war nach österreichischen Medienberichten Betreiber der Homepage der "Globalen Islamistischen Medienfront" für den gesamten deutschsprachigen Raum. Die Plattform sei vor allem dazu genutzt worden, Propaganda-Videos, Botschaften und Nachrichten des Terrornetzes Al Qaida und ihm nahestehenden Gruppen zu verbreiten. Terroranschläge hätten sie jedoch nicht geplant. Auch nach der Auswertung des bei Hausdurchsuchungen sichergestellten Computers und der Festplatte wurden nach Polizeiangaben keine Hinweise darauf gefunden. Zwar dürfte sich der 22-Jährige mit anderen Benutzern der Plattform über Waffen und Sprengstoff ausgetauscht haben. Waffen seien allerdings nicht gefunden worden.

Den Hauptverdächtigen hatte der österreichische Rundfunk ORF bereits im Frühjahr interviewt. Nach ORF-Angaben vom Donnerstag sagte der damals vermummte Mann in dem Beitrag vor laufender Kamera: "Jedes Land, das Truppen in Afghanistan hat, ist Teil der Allianz. (...) Wir wollen auf unsere Art und Weise Anschläge verhindern. Der einzige Weg ist, dass Regierungen ihre Truppen aus Afghanistan zurückziehen." In dem Video, für das die drei festgenommenen Österreicher arabischer Herkunft verantwortlich gemacht werden, war der Rückzug aller Deutschen und Österreicher aus Afghanistan gefordert worden. Es war am 9. März auf der islamistischen Web-Seite "Stimme des Kalifats" erschienen. (mit dpa)

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