Politik : Österreich-Sanktionen: Witz-Boykott (Kommentar)

Robert Birnbaum

In der Politik, wie auch sonst im Leben, gibt es für alles Gründe. Nehmen wir ein Beispiel: Warum findet die CSU den Österreich-Boykott der Europäischen Union schlecht? Weil, hat der CSU-Chef Edmund Stoiber im Februar im Bundestag gesagt, dieses "der Integration schweren Schaden" zufüge, die EU "gröblichst das Demokratieprinzip" verletze und überhaupt die übrigen Österreicher für den Haider Jörg ja nichts könnten.

So weit die offiziellen Gründe. Ein bisschen verdächtig ist uns das gleich vorgekommen. Schon, wie der Stoiber das Nachbarland gelobt hat: "...seit jeher eine Brücke zwischen West- und Osteuropa ... durch die gemeinsame Sprache und Kultur eng verbunden..." Man muss dazu wissen, dass an bayerischen Stammtischen mit Hingabe der so genannte Österreicher-Witz gepflegt wird. Kostprobe? Na gut: Fliegt ein österreichischer Pilot von Wien nach München. Kommt tiefer, setzt auf der Landebahn auf, geht voll in die Eisen und kriegt den Vogel gerade noch im Gras hinter der Piste zum Stehen. Sagt der Pilot zu seinem Co: "Komische Leute. Bauen ihre Landebahnen drei Kilometer breit und nur hundert Meter lang!"

So viel zur bayerischen Wertschätzung des Alpen-Nachbarn. Also warum legt sich der Stoiber so ins Zeug? Lange haben wir gerätselt, ganz bösartige Theorien entwickelt. Dabei ist es so einfach. Den Witz vom Piloten hat neulich einer von den wichtigeren CSU-Mannen erzählt. Aber nur hinter vorgehaltener Hand, weil es im Moment ja die Political Correctness verlangt, die Österreicher zu lieben. Jedenfalls, bis der Boykott vorbei ist. Sehen Sie: Deshalb drängelt der Stoiber so.

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