Politik : Österreich

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Elisabeth Zehetner,
Generation 25



Europa ist für mich Lebensraum, Arbeitsraum und Freundeskreis. Mehr noch, es ist einer der schönsten Lebensräume überhaupt. Europa bietet das Meer und die Berge, Städte und Naturschutzgebiete. Europa ist ein Arbeitsraum in dem die Menschen fair ihr Geld verdienen, die soziale Sicherheit groß geschrieben wird und jungen Menschen jede Türe offen steht. Europa ist mein Freundeskreis, denn in allen Teilen des Kontinents habe ich Personen kennen und schätzen gelernt. Kein Wunder, dass Europa mein Zuhause ist und immer bleiben wird.

Die Autorin, Jahrgang 1977, ist Bundesgeschäftsführerin von "Frau in der Wirtschaft" und leitet seit 2006 die gemeinsame Geschäftsstelle von "Junge Wirtschaft", "Gründer-Service" und "Frau in der Wirtschaft" in der Wirtschaftskammer Österreich.

Brigitte Ederer,
Generation 50

Das größte und erfolgreichste Friedens- und Wohlstandsprojekt dieses Kontinents ist mittlerweile alternativlos. Wo es heute Defizite gibt, das ist die Eroberung der europäischen Seelen und Herzen. Das allerdings ist ein Defizit, das den Wirtschafts- und politischen Eliten Europas anzukreiden ist. Sie müssen dieses einmalige Friedens-, Wohlstands- und Kulturprojekt in den europäischen Gesellschaften verankern. Nachdem die großen Europäerinnen und Europäer, denen der Schrecken von Verdun bis Auschwitz noch in den Knochen steckte, die Bühne verlassen haben, muss heute unspektakuläreres Europa-Management Platz greifen. Die großen Herausforderungen unserer Zeit - globalisierte Wirtschaft, Umwelt, Energieverknappung, Terrorismus etc. - können nur von einem starken, einigen und handlungsfähigen Europa gelöst werden. Von diesem Ziel sind wir leider noch entfernt, wenn man etwa an die Uneinigkeit zu Beginn des Irak-Feldzuges der USA oder heute an nationale Alleingänge beim US-Raketenschild denkt.

Die Autorin, Jahrgang 1956, ist seit 2005 Vorstandsvorsitzende der Siemens AG Österreich.

Erhard Busek,
Generation 75

Europa ist ein Glücksfall, vor allem für meine Generation. Wir haben ein wenig Krieg und viel Nachkrieg erlebt und hatten das Glück, in eine Zone des Friedens hinein zu leben. Mit dem Bewusstsein, dass es eigentlich nur jeden Tag besser werden kann. Das ist großartig, denn Erzählungen von Eltern und Großeltern zeigten deutlich, was Europa alles seit 1900 auch verloren hat. Umso mehr muss man besorgt sein, dass dieser Frieden nicht als Selbstverständlichkeit hingenommen wird, für den man nichts zu tun hat. Er will täglich errungen sein - und zwar durch Engagement in Europa und außerhalb, wo der Friede nicht oder noch nicht garantiert ist. Im Übrigen: Europa ist faszinierend in seiner Vielfalt und ein wirklich schönes Geschenk an uns Europäer! Ob wir das begreifen?

Der Autor, Jahrgang 1941, war unter anderem von 1991-1995 Vizekanzler Österreichs und von 2000-2001 Regierungsbeauftragter für die EU-Erweiterung. Er ist Kuratoriumsmitglied der Initiative "Europa eine Seele geben".

Alois Mock

Was für die Gründerväter noch reine Utopie war, für die sie vor 50 Jahren mühevolle Überzeugungsarbeit leisten mussten, ist heute Wirklichkeit. Eine große Friedenszone Europa ist entstanden mit einem wiedervereinigten Deutschland, einem Großteil der ehemaligen "Warschauer Pakt"-Staaten als Mitgliedern nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs". Innerhalb dieser Gemeinschaft gibt es Reisefreiheit, freie Arbeitsplatzwahl, erleichterte Studienmöglichkeiten, einen gemeinsamen Binnenmarkt und bereits in der Hälfte der Mitgliedsländer auch eine gemeinsame Währung. All das ist heute selbstverständlich; so selbstverständlich, dass viele Europäer gar nichts Besonderes mehr daran finden.

Es wurden sicherlich auch Fehler gemacht. Überall, wo Menschen am Werk sind, passiert das. Die Kommunikation funktioniert noch zu wenig schnell, daher ist oft noch nicht genug Bürgernähe gegeben. Auch hätte eine Vertiefung vor der großen Erweiterung erfolgen sollen. Aber all das kann noch nachgeholt werden und verblasst vor der Tatsache, dass es seit 60 Jahren keinen Krieg mehr gegeben hat zwischen den Staaten der EU. Eine so lange Friedensperiode hat es in Europa noch nie gegeben.
Ich appelliere daher vor allem an die Jugend: Glaubt an dieses Europa! Erfüllt die Idee des Zusammenrückens der Menschen mit Leben, wählt aus aus den vielen Möglichkeiten, die Euch geboten werden. Aber bietet im Gegenzug auch Eure Leistung, Eure Talente, Euer Können, Euren guten Willen und Eure Mitarbeit an. Ihr könnt Europa - ohne deshalb Eure Heimatländer zu vernachlässigen - mehr Selbstbewusstsein, mehr Profil geben. Statt Kritik sind gute Ideen gefragt.

Der Autor, Jahrgang 1934, war Vizekanzler und Außenminister Österreichs.

Franz Vranitzky

Für mich als Europäer, der den Zweiten Weltkrieg erlebt hat, ist die "Zukunft in Europa" Herausforderung und Anspruch zugleich. Die Herausforderung der politischen Führungskräfte besteht darin, das europäische Einigungsprojekt mit ihren Bürgern so gut zu gestalten und zu leben, dass diese sich mit ihren Lebensinteressen darin wieder finden. Der rechtmäßige Anspruch der Europabürger an "ihre Union" muss sich in ökonomischer und sozialer Sicherheit, in freier Entfaltung und in der rechtsstaatlichen Selbstverständlichkeit so erfüllen, dass daraus die Verwurzelung eines Europavertrauens erwächst. Die bestmögliche Symbiose aus fest verankerter Gemeinsamkeit und abgesicherter Individualität müssen wir als das Erscheinungsbild für uns selber und in der Welt anpeilen. Auf diese Weise können wir robuste innere Stärke gewinnen und das Etikett vom wirtschaftlichen Riesen und dem politischen Zwerg abschütteln.

Der Autor, Jahrgang 1937, war als Bundeskanzler Österreichs von 1986-1997 unter anderem für die Vorbereitung und Durchführung des Beitritts Österreichs zur Europäischen Union verantwortlich.

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