Politik : Österreichs ehemaliger Kanzler von Kronzeugin belastet

Der frühere österreichische Bundeskanzler Vranitzky (SPÖ) hat eingeräumt, zahlreiche Flüge unternommen zu haben, die von der Westdeuschen Landesbank in Düsseldorf (WestLB) bezahlt wurden. Zusätzlich zu zwei zuvor eingeräumten privaten Flügen ans Krankenbett seiner Frau nach Hannover im Jahre 1989 sei er noch neun Mal mit von der Bank bezahlten Flugzeugen gereist, erklärte Vranitzky am Donnerstag in Wien.

Er sei dabei jedoch zu Terminen gereist, deren "Wahrnehmung mir seinerzeit dienstlich/politisch geboten erschien", heißt es in der Erklärung des Ex-Kanzlers weiter. Darunter seien "Vorträge, Diskussionen, Ehrungen namhafter Persönlichkeiten" gewesen. Er sei jeweils von der WestLB eingeladen worden und habe "keinerlei persönliche oder private Vorteile" genossen.

Zuvor hatte das Magazin Format in Wien berichtet, Vranitzky sei rund 15 Mal auf Kosten der Bank geflogen. "Vranitzky ist zwischen 1988 und 1994 ständig mit uns geflogen", wird die Witwe des verstorbenen Chefs der Düsseldorfer Charterfirma PJC, Sabine Wichmann, zitiert.

In einer dem Magazin vorliegenden eidesstattlichen Erklärung gegenüber dem Notar Drees in Marl hält Wichmann fest: "Die Kosten dieses Fluges wurden auf Veranlassung von Herrn Neuber von meinem Ehemann wieder der WestLB in Rechnung gestellt, die diese Kosten auch - wie stets üblich - voll umfänglich beglichen hat."

In den Oppositionsparteien und in einigen Medien waren in den letzten Tagen Spekulationen aufgetaucht, Vranitzky habe im April 1996 beim Einstieg der WestLB beim österreichischen Branchenprimus Bank Austria (BA) mitgeholfen. Der frühere Kanzler hatte immer wieder bestritten, am Erwerb von über zehn Prozent der Bank Austria durch die WestLB mitgewirkt zu haben.

Vranitzky war nach zehnjähriger Kanzlerschaft Anfang 1997 überraschend zurückgetreten. Seit Herbst 1997 ist er für die WestLB als "Konsulent für Mittel- und Osteuropa sowie den Nahen Osten" tätig.

Nordrhein-Westfalens Finanzminister Schleußer will der Staatsanwaltschaft Ende Januar seine Stellungnahme zu dem Vorwurf abgeben, er habe Dienstgeheimnisse verletzt.

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