Politik : Österreichs Rechte: Haiders Türke (Gastkommentar)

Anna Rubinowicz

Jörg Haider ist allgegenwärtig: auf Wahlplakaten, in internationalen Zeitungen, in Wien, Kärnten und selbst auf der Industriemesse im kroatischen Zagreb. Überall warnt er vor der Flut ausländischer Billigarbeiter, die sich nach der Ost-Erweiterung über die EU ergießen werde. Überrascht war ich aber, als ich sogar in einem Klagenfurter Hotel auf ihn stieß. Sein Bild hängt dort an einer Wand mit Souvernir-Fotos. Der türkische Besitzer Jabbar sagte mir, ehrliche Ausländer würden Haider wählen. Der habe nichts gegen Ausländer im Allgemeinen, sondern nur gegen die, die auf Kosten der Österreicher leben, nicht arbeiten oder kriminell sind. Und Haider gehe gegen die schrecklichen Beamten vor, diese "Faschisten mit Schreibstift statt Pistole", die ordentlichen Geschäftsleuten wie Jabbar das Leben erschweren.

Nach der Aufhebung der diplomatischen Sanktionen sieht Jabbar schon gar keinen Grund, Haider nicht zu wählen. Als Landeshauptmann von Kärnten hat Haider nichts getan, was Bürger ärgern könnte. Meistens ist er auf Reisen, kontroverse Entscheidungen vermeidet er, gibt viele Interviews und wird immer berühmter. Die Sanktionen haben ihm geholfen. Er hat sich nur von der FPÖ-Spitze zurückgezogen, um noch unverschämter, noch lauter aufzutreten. Er lässt sich nicht demokratisch dressieren - und seine Partei nicht erziehen. Die Begrenzung der Zuwanderung will sie jetzt erst recht zum Hauptthema des Wiener Wahlkampfes machen.

"Warum sollten wir uns verändern?", fragt die Parteivorsitzende und Vize-Kanzlerin Susanne Riess-Passer unschuldig. Das wäre doch Verrat am Wähler. Da haben wir es: Das Problem ist nicht Haider (und in Frankreich Le Pen, in der Schweiz Blocher, in Polen Lepper), das Problem sind ihre Wähler. Bürger, die diesen Volkstribunen zuhören und nachlaufen, die selbst nicht die Hand gegen Ausländer erheben, aber finden, dass viele FPÖ-Parolen einfach einmal öffentlich ausgesprochen werden müssen. Zum Beispiel, dass Sozialwohnungen so lange nicht an Ausländer vergeben werden dürfen, wie noch Österreicher auf der Warteliste stehen. "Hier gilt: Österreich zuerst!" Menschen, die Politikern vertrauen, die versprechen, Ordnung durchzusetzen, Parasiten anzuprangern und fleißige Spießbürger zu belohnen. Nur: Solche Menschen und solche Denkweisen ändert man nicht durch diplomatischen Boykott. Wo doch selbst der Türke Jabbar Haider wählt.

Die Autorin ist Deutschland-Korrespondentin der größten polnischen Tageszeitung "Gazeta Wyborcza".

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