Politik : ÖTV nennt Angebot der Arbeitgeber eine Katastrophe

Tarifrunde für den öffentlichen Dienst vor dem Scheitern / Gewerkschaften setzen Gespräche nach Angebot vorerst fort STUTTGART (dpa/rtr/AP).Ein Scheitern der Tarifverhandlungen für die 3,2 Millionen Arbeiter und Angestellten im öffentlichen Dienst ist nach einem ersten Arbeitgeber-Angebot wahrscheinlicher geworden.Die Arbeitgeber von Bund, Ländern und Gemeinden boten den Gewerkschaften ÖTV und DAG am Mittwoch eine Einkommenserhöhung von einem Prozent für 1998 an, forderten aber zugleich umfangreiche Einschnitte bei der Lohnfortzahlung für Kranke und bei der Zusatzversorgung.ÖTV-Chef Herbert Mai sagte: "Dies ist keine Grundlage für ernstzunehmende Verhandlungen." Das Neun-Punkte-Papier der Arbeitgeber sei kein Angebot, sondern ein Wunschkatalog.Wenn die Arbeitgeber von ihrer Grundhaltung nicht abrückten, sehe er keine Möglichkeit weiterzuverhandeln, sagte Mai.Das Angebot bedeute: ein Prozent in das Portemonnaie der Beschäftigten und vier Prozent wieder heraus.ÖTV und DAG fordern insgesamt 4,5 Prozent im Volumen.Als Einkommenserhöhung verlangen sie den Inflationsausgleich.Den Schwerpunkt legen sie auf die Sicherung von Arbeitsplätzen und die Angleichung der Ost- an die Westgehälter.Am Nachmittag berieten die Großen Tarifkommissionen der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr und der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft über das Angebot.Sie erklärten die Gespräche vorerst noch nicht für gescheitert und beauftragten ihre Verhandlungsdelegationen, die Verhandlungen mit Bund, Ländern und Gemeinden weiterzuführen.In Gewerkschaftskreisen hieß es, bei einem weiteren Treffen mit den Arbeitgebern am späten Nachmittag würden die Gewerkschaften klarmachen, unter welchen Bedingungen sie zu weiteren Gesprächen bereit seien."Diese Bedingungen werden die Arbeitgeber wahrscheinlich nicht erfüllen", hieß es in den Kreisen.Daher würden die Verhandlungen wahrscheinlich am Abend scheitern.Die Arbeitgeber lehnten es ab, die Gehälter der Beschäftigten in Ostdeutschland, die derzeit 85 Prozent des Westgehalts bekommen, weiter anzugleichen.Auch eine Verkürzung der dort noch geltenden 40-Stunden-Woche boten die Arbeitgeber nicht an.Bei der Lohnfortzahlung verlangen die Arbeitgeber einen Abschlag von einem Prozent des Weihnachtsgeldes pro Krankheitstag.Außerdem sollen Zuschläge und Überstunden nicht mehr in die Berechnung einfließen.Ferner sollen für Kuren bis zu sechs Urlaubstage gestrichen werden.Das Weihnachtsgeld wollen die Arbeitgeber weiter auf dem Stand von 1993 eingefroren lassen, was derzeit rund 92 Prozent entspricht.Bei der Zusatzversorgung fordern sie die Übertragung der gesetzlich geänderten Regelung der Beamtenversorgung und Rentenversicherung.Danach sollen die Beschäftigten, die vor dem Pensionsalter in den Ruhestand gehen, pro Monat auf 0,3 Prozent der Rente verzichten.

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