Politik : Özdemir will weiter an die Grünen-Spitze

Trotz Schlappe im Kampf um Bundestagsmandat

Hans Monath

Berlin - Nach eineinhalbtätigem Schweigen hat der Grünen-Politiker Cem Özdemir am Montagmittag das Rätselraten über seine politische Zukunft beendet. Ungeachtet seiner demütigenden Niederlage beim Kampf um ein Bundestagsmandat hält der 42-jährige Europaabgeordnete an seiner Bewerbung um das Amt eines Bundesvorsitzenden seiner Partei fest. Das Parteiamt sei eine „große und spannende Aufgabe für mich, die ich mit ganzer Kraft und Entschlossenheit anstrebe“, verkündete Özdemir in einer schriftlichen Erklärung.

Ein baden-württembergischer Landesparteitag hatte am Sonnabend in zwei Abstimmungen nicht für Özdemir, sondern jeweils für andere Bewerber votiert und ihm so den Weg in den Bundestag verbaut. Weggefährten des Deutschtürken erklärten daraufhin, Özdemir sei schwer getroffen. Manche fürchteten, der Vertreter der jüngeren Grünengeneration werde hinschmeißen und die Partei erneut in einen quälenden Suchprozess zwingen.

Sein Festhalten an der Kandidatur begründete Özdemir nun auch mit dem Hinweis, er habe „von vielen Seiten aus der Partei“ in den vergangenen zwei Tagen „großen Zuspruch“ erhalten. Dies habe ihm deutlich gemacht, dass sich die Basisabstimmung nicht gegen seine Bewerbung um das Parteiamt gerichtet habe. Tatsächlich hatte die Basis in Baden-Württemberg auch dem Misstrauen vieler Grüner gegen eine Häufung von politischen Ämtern in einer Hand Ausdruck gegeben.

Wichtige Grünen-Politiker hatten am Sonntag und Montagmorgen an Özdemir appelliert, an seiner Kandidatur festzuhalten. Allerdings hatte dieser selbst Vertreter seiner Partei dazu aufgefordert. „Ich erwarte jetzt starke Signale aus den Ländern und aus der Partei“, forderte der gedemütigte Kandidat per SMS von einflussreichen Grünen-Politikern.

Die Parteispitze trat am Montag dem Eindruck entgegen, durch das Scheitern sei der Kandidat geschwächt worden. „In der Niederlage zeigt sich, aus welchem Holz jemand geschnitzt ist“, sagte der scheidende Parteichef Reinhard Bütikofer: „Das ist das Holz, das für die Führung geeignet ist.“ In Özdemirs Umfeld hatte da längst die Suche nach Verantwortlichen für das Debakel eingesetzt. Fraktionschef Fritz Kuhn wurde intern vorgehalten, er habe die Chance ausgeschlagen, dem Kandidaten beizustehen. Kuhn, der wie Özdemir aus Baden-Württemberg stammt und Realpolitiker ist, wurde auf Listenplatz zwei gewählt.

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