Offenbar ohne Wissen der Angehörigen : Pussy-Riot-Sängerinnen in Arbeitslager gebracht

Die beiden verurteilten Sängerinnen der russischen Punk-Band Pussy Riot sind offenbar schon auf dem Weg in das Arbeitslager. Beide sollen in verschiedene Lager kommen - die für ihre harten Bedingungen bekannt sind.

Die beiden verurteilten Sängerinnen der Band Pussy Riot sind offenbar in ein Arbeitslager gebracht worden.
Die beiden verurteilten Sängerinnen der Band Pussy Riot sind offenbar in ein Arbeitslager gebracht worden.Foto: dpa

Ohne Wissen ihrer Angehörigen sind die zwei verurteilten Sängerinnen der russischen Punkband Pussy Riot in Arbeitslager gebracht worden. Ihre Anwältin Wioletta Wolkowa sagte am Montag, beide Frauen seien bereits am Samstag aus der Haftanstalt in Moskau weggebracht waren, am Montag waren sie noch unterwegs in die Regionen Mordowia beziehungsweise Perm im Ural. Wo genau sich ihre Lager befanden, blieb unklar.

Nadeschda Tolokonnikowa sei in ein Lager in der Region Mordowia rund 640 Kilometer östlich von Moskau gebracht worden, sagte die Anwältin. Ihre Bandkollegin Maria Alechina werde in der rund 1400 Kilometer entfernten Region Perm interniert. Den Angaben der Anwältin zufolge erfuhren selbst die Angehörigen der Frauen erst von deren Verlegung, als sie ihnen Pakete in das Gefängnis in Moskau bringen wollten, in dem sie zuletzt inhaftiert waren.
Tolokonnikowa, Alechina sowie Jekaterina Samuzewitsch waren im August wegen einer regierungskritischen Aktion gegen den heutigen Staatschef Wladimir Putin zu zwei Jahren Lagerhaft verurteilt worden. In einem Berufungsverfahren war Samuzewitschs Strafe am 10. Oktober in eine Bewährungsstrafe umgewandelt worden, die Strafe der anderen beiden Frauen wurde aufrecht erhalten. Beobachter vermuteten dahinter den Versuch der Staatsmacht, die Protest-Band zu spalten.

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Unterstützer von Pussy Riot sprachen im Internetdienst Twitter von den „schlimmstmöglichen Camps“, die für die Frauen ausgesucht worden seien. Die 22-jährige Tolokonnikowa hat eine vierjährige Tochter, die 24-jährige Alechina einen fünfjährigen Sohn. Ihre Bitte um einen Aufschub ihrer Strafe, bis ihre Kinder älter sind, wurde abgewiesen.

Unklar war zunächst auch, wie Tolokonnikowa und Alechina unterwegs waren. Gefangene werden in Russland oft in Zügen zu Straflagern transportiert. Solche Transporte können wegen häufiger Stopps und je nach Entfernung bis zu einem Monat dauern. Tolokonnikowas Ehemann Pjotr Wersilow sagte dem Rundfunksender Moskauer Echo, er habe unbestätigte Informationen, wonach beide Frauen in „Sonderflügen“ unterwegs seien. Bei Twitter war unter @pussy_riot ohne nähere Angaben von einem „speziellen“ Konvoi die Rede.

Russlands Arbeitslager sind für ihre extrem harten Bedingungen bekannt. Die mit Pussy Riot eng verbundene Künstlergruppe Woina (Krieg) bezeichnete Mordowia bei Twitter als „Höllenlager“. Bereits unter Diktator Stalin gab es dort in den 1930er und 1940er Jahren Arbeitslager.

Nach Informationen auf der Webseite der regionalen Strafvollzugsverwaltung sind es heute 17 Lager. Auch in der Region Perm wurden unter Stalin Arbeitslager eingerichtet. Im Winter können die Temperaturen im Ural auf bis zu minus 50 Grad Celsius sinken. (AFP)

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