Offener Brief in Sachsen : Semperoper gegen Hetzparolen von Pegida

Beschäftigte von Semperoper und Staatskapelle fordern von der Politik in Sachsen Haltung gegen Pegida - empathischer als bisher.

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Pegida-Demonstranten Ende November vor der Semperoper in Dresden
Pegida-Demonstranten Ende November vor der Semperoper in DresdenFoto: Sebastian Kahnert/dpa

Mitarbeiter der Semperoper und der Sächsischen Staatskapelle haben von der Politik in Dresden und Sachsen ein entschiedeneres Auftreten gegen die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung verlangt. "Lassen Sie nicht zu, dass die Plätze unserer Stadt mit Hetzparolen gefüllt werden", heißt es in einem Offenen Brief an Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und den Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), aus dem MDR Sachsen am Dienstag zitierte.

"Die Botschaften, die wir mit unserer Kunst vermitteln möchten, sollen wieder in die Welt ausstrahlen und nicht der vergiftete, menschenverachtende Geist, der sich hier in Dresden ausgebreitet hat", schreiben die Beschäftigten weiter. Die Beschäftigten der beiden Kultureinrichtungen appellieren an Tillich und Hilbert: "Stellen Sie sich dem Szenario der Intoleranz und Menschenverachtung entgegen! Setzen Sie ein Zeichen für Menschenwürde, Empathie und die Notwendigkeit einer kulturellen Vielfalt. Machen Sie klar, dass eine Politik, die die Interessen unserer ausländischen Mitbürger berücksichtigt, keine Politik ist, die sich gegen die Deutschen wendet."

Pegida war mit der Kundgebung am Montag vor Weihnachten zum Königsufer auf der Neustädter Seite der Elbe ausgewichen. Stattdessen demonstierte das Bündnis "Herz statt Hetze" auf dem Theaterplatz gegen Pegida.

Die Beschäftigten von Semperoper und Staatskapelle wollen grundsätzlich nicht mehr hinnehmen, dass der Theaterplatz "direkt vor dem Ort unserer Arbeit" zum Schauplatz der Pegida-Aufmärsche und damit von "aggressiven und diskriminierenden Parolen" wird. "Wir fühlen uns dabei nicht nur unwohl, sondern vor allem nicht mehr sicher".

Viele Mitglieder des Ensembles fühlten sich durch die Versammlungen von Pegida "unwillkommen und ausgegrenzt", würden beleidigt und bedroht. Immer häufiger kämen auch Zuschriften des Publikums, die einen Besuch der Semperoper wegen Pegida meiden würden und sich scheuten, sich mühevoll einen Weg durch die Masse der Demonstranten zu bahnen. Viele würden "nicht mehr nach Dresden reisen wollen und sogar ihre bereits gekauften Karten verfallen lassen".

Dresdens Oberbürgermeister Hilbert sagte am Dienstag im RBB-Inforadio, er setze weiter auf einen Dialog zwischen den verschiedenen Gruppierungen. Zugleich gab er zu, dass Pegida dem Ruf Dresdens schade, sprach von einer, was das Image der Stadt betreffe, "ausgesprochen schwierigen" Situation. Viele Touristen aus dem Inland blieben fern. Von einem Verbot der Pegida-Aufmärsche hält der FDP-Politiker nichts. Versammlungsfreiheit und Demonstrationsrecht seien "ein hohes Gut", es müssten "triftige Gründe" vorliegen, es nicht zu gewähren. Sein Ziel sei es, die Pegida-Teilnehmer "wieder in den demokratischen Prozess hinein zu verorten".


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