Politik : Offensive der Nordallianz erwartet

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Die USA haben am Mittwoch wieder die südafghanische Stadt Kandahar und Stellungen der radikal-islamischen Taliban an der Front nördlich von Kabul bombardiert. Bei einem Treffer auf eine Einrichtung des Roten Halbmondes sollen in Kandahar elf Menschen getötet worden sein. Ein Vermittlungsversuch der Vereinten Nationen scheiterte unterdessen. Taliban-Anführer Mullah Omar wies seinen Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Saif, an, sich nicht mit dem UN-Sonderbeauftragten Lakhdar Brahimi zu treffen. Brahimi habe nur Vorschläge der USA zu unterbreiten, sagte Saif am Mittwoch in Pakistan.

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Fotostrecke: Der Krieg in Afghanistan Die Angriffe auf Kandahar begannen Mittwoch vor dem Morgengrauen. Es gab mindestens zwei Angriffswellen. Am Tage wurden dann ausländische Reporter von den Taliban in einen Vorort Kandahars gebracht. Dort berichtete ihnen ein Arzt, dass eine Medikamentenausgabe des Roten Halbmondes bombardiert worden sei. Elf Menschen seien getötet und sechs verletzt worden. Seine Angaben über die Opfer konnten nicht nachgeprüft werden.

In der Nähe des von den Taliban-Gegnern gehaltenen Flughafens Bagram nördlich von Kabul griffen US-Flugzeuge zwei Taliban-Stellungen mit Flächenbombardements an. Das Bombardement soll offenbar eine Bodenoffensive der Nordallianz gegen die Taliban vorbereiten. Auch die 15 EU-Staaten wollen einen Vorstoß der Taliban-Gegner unterstützen und ihr bisher geltendes Waffenembargo gegen Afghanistan teilweise aufheben. In diplomatischen EU-Kreisen hieß es, Vertreter der EU-Regierungen hätten sich am Mittwoch in Brüssel grundsätzlich darauf verständigt, Waffenlieferungen an die Nordallianz zu ermöglichen. Aus Deutschland sind jedoch keine Waffenlieferungen geplant, wie aus Regierungskreisen in Berlin verlautete.

Einer der Anführer der Nordallianz, Ahmad Siah Masud, sagte Reuters, seine Truppen bereiteten sich auf eine Offensive nördlich von Kabul vor. Er denke, dass sie in vier bis fünf Tagen beginnen werde. Einen Einsatz von US-Bodentruppen hält Masud nicht für nötig: "Wir haben selbst genug Soldaten", sagte er. 8000 bis 10 000 Mann stünden bereit. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte mitgeteilt dass bereits einige US-Soldaten in Afghanistan seien. Der zur Anti-Taliban-Allianz gehörende General Abdul Raschid Dostum sagte am Mittwoch, 15 bis 20 US-Soldaten seien bei seinen Truppen. Dostum konzentriert sich auf die Rückeroberung der Stadt Masar-i-Scharif. Er rechnet mit einem Aufstand der Menschen in der Stadt gegen die Taliban.

Auf Risse in der Gefolgschaft der Taliban setzt auch der pakistanische Präsident Musharraf. In einem Gespräch mit Reuters-TV sagte der General, er sei ziemlich sicher, dass sich viele Menschen im Nachbarland fragten, ob es klug sei, für jemanden wie bin Laden und dessen Männer, die keine Afghanen seien, Leid auf sich zu nehmen. Die Möglichkeit einer Revolte gegen die Taliban werde größer, sagte Musharraf.

Die Bundesregierung geht unterdessen davon aus, dass Deutschland bei der Gestaltung der Nachkriegsordnung Afghanistans eine wichtige Rolle spielen wird. "Wir sind sicherlich ein Mitgliedstaat der Vereinten Nationen, auf den man dabei nur ungern verzichten wird", sagte der Sprecher des Auwärtigen Amtes am Mittwoch in Berlin. In der internationalen Staatengemeinschaft herrsche ein breiter Konsens darüber, dass Afghanistan seine Zukunft nach dem Sturz der Taliban mit der Hilfe der UN und unter Einbeziehung der Nachbarn selbst gestalten solle. Allerdings sei noch nicht darüber entschieden, welche Staatengruppe oder welches Gremium den Übergang Afghanistans zur Nachkriegszeit begleiten solle. Dazu würden die UN voraussichtlich bis zur Generalversammlung Mitte November konkretere Pläne vorlegen.

Spannungen in Kaschmir

Indien und Pakistan befinden sich nach den Worten von Generalleutnant R.K. Nanavatty am Rande eines Kriegs. Die derzeitige Situation im Konflikt um Kaschmir sei mit der vor Beginn des Kriegs 1965 vergleichbar, sagte Nanavatty am Mittwoch im Unionsstaat Jammu-Kaschmir.

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