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Offizieller SPD-Kanzlerkandidat : Peer Steinbrück: Der verwandelte Kandidat

09.12.2012 21:59 Uhrvon
Auch in der Rede in Hannover kommt Steinbrück an einen Punkt, wo manchem im Saal der Atem stockt.Bild vergrößern
Auch in der Rede in Hannover kommt Steinbrück an einen Punkt, wo manchem im Saal der Atem stockt. - Foto: dpa

Steinbrück und die SPD – das war immer ein schwieriges Verhältnis. Doch jetzt bei der Kandidatenkür in Hannover zieht er alle Register. Und seine Zuhörer sind begeistert. Der Sozialdemokrat der Vernunft präsentiert sich auf einmal als Herzenssozialdemokrat.

Es ist kurz nach eins im Saal 7, als sich ein alter Mann eine Zigarette anzündet und damit den Saal zum Toben bringt. Droben auf dem Podium redet sich Peer Steinbrück langsam warm. Es werde vielleicht die wichtigste Rede seiner Laufbahn, hat er am Abend zuvor gesagt.

In der ersten Reihe der Parteitagshalle sitzt Helmut Schmidt, vor sich auf dem Tisch einen Aschenbecher. Über die schlohweißen Haaren hat er einen Kopfhörer für den Verstärker gestülpt, das Gehör eben. Von Vertrauen und Haltung redet Steinbrück gerade und macht den bald 94-jährigen Ex-Kanzler zu seinem Kronzeugen.

Bekanntlich hatte Schmidt seinen Favoriten seiner Partei schon im vorigen Jahren als Kanzler empfohlen („Er kann es.“), aber darum geht es jetzt nicht. Schmidt werde verehrt, weil die Bürger spürten, dass „da jemand führt auf der Grundlage sittlicher Überzeugungen“, ruft Steinbrück und fügt hinzu: „Und deshalb darf er im Fernsehen auch rauchen.“

In diesem Moment schwenkt die Parteitagsregie die Kamera auf die erste Reihe, wo Schmidt neben seiner Lebensgefährtin Ruth Loah sitzt, neben Gerhard Schröder, Franz Müntefering und Egon Bahr, den Garanten jener großen Parteitradition, in die sich der Bewerber um das Amt des Kanzlerkandidaten einreihen wird. Als Schmidt dann tatsächlich eine Zigarette aus der Packung fummelt, ist der Jubel perfekt und Steinbrück hat wieder einen Punkt gemacht. Einen von vielen an diesem Tag.

Draußen tobt der kalte Wintersturm über Hannover, drinnen heizt sich die Stimmung auf. 110 Minuten braucht Steinbrück, um vom Ich zum Wir zu kommen, sich vom Vernunftsozialdemokraten zum Herzenssozialdemokraten zu entwickeln. Er amüsiert seine Zuhörer, er verblüfft seine Zuhörer, er erfreut seine Zuhörer, aber er überzieht nicht.

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Nachher wird Ralf Stegner, der Parteilinke aus Schleswig-Holstein loben: „Es war eine sehr sozialdemokratische Rede.“ Vor einem Jahr, als Steinbrück auf dem Parteitag in Berlin redete, setzte Stegner noch ein anderes Signal. Als damals die Parteiführung aufstand und klatschte, blieb er auf seinem Platz sitzen und verschränkte die Arme.

Diesmal klatschen alle, zehn Minuten lang, Immer wieder muss der Kandidat in spe ans Pult, mit und ohne Stephan Weil, dem SPD-Spitzenkandidaten für Niedersachsen, wo schon Ende Januar gewählt wird. Zum Schluss entlädt sich die Spannung des Politikers Steinbrück in einer bemerkenswerten Geste: Als er noch mal ans Pult eilt, ballt er die Faust und schlägt sie in die Luft, wie das Fußballer nach einem Traumtor tun.

Dass ausgerechnet Peer Steinbrück einmal die Sozialdemokraten hinter sich sammeln würde, das hätte vor einem Jahr nicht nur Ralf Stegner verblüfft. Zu groß war die Distanz des gebürtigen Hamburgers gegenüber seiner Partei, zu groß auch seine Arroganz, zu weit entfernt seine politischen Ziele vom Mainstream der Sozialdemokraten. Und dann war da auch noch die Sache mit den Honoraren, die ihm den Start vermasselte und verhinderte, dass Steinbrück mit politischen Argumenten punkten konnte.

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