Politik : Ohne Bonus

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

„Truth well told“ lautet das Motto der Werbeagentur McCann-Erickson – die Wahrheit gut erzählen wollen sie also. Es darf bezweifelt werden, dass den Agenturmenschen dies in den vergangenen neun Monaten gut gelungen ist. In dieser Zeit sollten sie mal eben den politischen Machtwechsel in Deutschland vorbereiten, den Weg für Edmund Stoiber ins Kanzleramt plakatieren. Die Agentur will laut Eigenwerbung auch alles tun, „um gemeinsam ein Ziel zu erreichen – die beste integrierte Lösung für den Kunden.“ Die beste integrierte Lösung für den konservativen Kunden hätte natürlich Wahlsieg geheißen, Stoiber Kanzler, alles Plaketti. Aber hier gilt es, die eigentliche Wahrheit von McCann-Erickson zu erzählen. Im Vertrag mit der CDU war nämlich ein striktes Erfolgsprinzip vereinbart worden. Das Basishonorar fiel gering aus. Dafür sollten sich die Werbeleute mit jedem zusätzlichen Prozent für die Union stolze Bonuszahlungen verdienen. Das Geschäft schien viel versprechend, hatte die Union bei der letzten Bundestagswahl doch ihr schlechtestes Ergebnis seit 50 Jahren erzielt. Die Partei konnte ja auch wirklich zulegen. Blöd nur, dass der Bonus für McCann-Erickson nur überwiesen werden sollte, wenn die Union wieder die stärkste Fraktion im Bundestag werden würde. Ziel knapp verfehlt. Jetzt droht der Agentur eine Rückzahlung an die Partei. Sie wird sich sicher überlegen, ob sie ihre Wahrheiten künftig nicht lieber wieder über andere erzählt. Markus Feldenkirchen

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