Politik : Ohne Fragen

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Was hält eigentlich der Verkehrsminister von der Strategie der US-Militärs im Irak? Wie wichtig ist Renate Schmidt, im Kabinett für Familie zuständig, wenn es um die Verbesserung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses geht? Und haben Brigitte Zypries (Justiz), Edelgard Bulmahn (Bildung) oder Renate Künast (Verbraucherschutz) zündende Impulse beizutragen, wie nach dem Ende der UN-Sanktionen gegen den Irak die Autorität der Weltorganisation gerettet werden kann? Aus irgendeinem Grund will partout niemand diese Fragen stellen. Und deshalb sind in den langen Wochen, in denen Krieg und Nach-Krieg alle anderen Themen verdrängen, die Vertreter der meisten Ministerien in der Bundespressekonferenz selten gefordert. Eine sehr ungerechte Arbeitsteilung: Während die Erläuterer des Kanzlers und des Außenministers jeden Nicht-Kontakt zwischen Schröder und Bush begründen und das Völkerrecht im Detail herbeten müssen, sitzen die Kollegen der anderen Ressorts daneben. Und tun nichts. Immer wieder die gleichen Szenen: Eben wird, sagen wir, die 23. Nachfrage zu einem Gipfeltreffen abgebogen. Eine Pressefrau blickt ins Leere, stützt den Kopf in die Hand, der schwer zu werden droht. Ein Kollege jagt, gedeckt von der Holzballustrade seines Pults, Moorhühner auf seinem Palmtop. Ein dritter Sprecher ballt als Konzentrationsübung immer wieder die Hände zu Fäusten, damit er nicht einschläft. Ist es der US-Regierung eigentlich piepegal, was irakische Langeweile in den Pressestellen deutscher Ministerien anrichtet? Uns nicht! Liebe Sprecher, wir sehen eure Not und bereiten schon Fragen an alle vor. Ganz fiese natürlich. Damit die große Müdigkeit mit einem Schlag verfliegt.

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