Politik : Ohne Grund und Boden

Die kurdische PKK verliert ihr Hinterland – und Sympathien

Susanne Güsten

Knapp 20 Jahre nach Beginn ihres bewaffneten Kampfes gegen die Türkei steht die kurdische Rebellenorganisation PKK vor dem endgültigen Aus. Von der Festnahme ihrers Anführers Abdullah Öcalan vor vier Jahren geschwächt, ist die PKK durch den US-Krieg gegen den Irak in eine militärisch ausweglose Lage geraten. Ihr Rückzugsraum im Nordirak wird von den Amerikanern kontrolliert; der Fluchtweg nach Iran ist durch die veränderte Machtkonstellation in der Region versperrt. Auch der politische Boden schwindet der PKK unter den Füßen, seit die Türkei im Rahmen ihrer EU-Reformen die Minderheitenrechte ausweitet. Mit einer Teilamnestie will Ankara jetzt die verbliebenen PKK-Kämpfer aus den Bergen holen. Die Rebellenführung ruft zum letzten Gefecht, doch die Tage der PKK sind gezählt. In den nordirakischen Kandil-Bergen lagert die Hauptstreitmacht der PKK, seit sie 1999 aus der Türkei abziehen musste – von der türkischen Armee nach einem 15-jährigen Krieg geschlagen und durch die Gefangennahme ihrers Anführers demoralisiert.

Nun wird es aber auch im Nordirak eng für die Rebellen: Die Amerikaner, die dort jetzt das Sagen haben, haben die PKK-Einheiten ultimativ zur Entwaffnung aufgefordert. Zwei Stützpunkte wurden bereits aufgelöst, der Rest der PKK-Präsenz im Nordirak soll folgen. Aber wohin? Auch in Iran ist die PKK nicht mehr willkommen, seit Teheran sich dem zunehmenden Druck der USA ausgesetzt sieht. Seit iranische Sicherheitskräfte vor zwei Wochen die Auflösung eines PKK-Lagers im Grenzgebiet anordneten, toben dort Kämpfe zwischen iranischen Einheiten und den Rebellen, in die sich inzwischen auch türkische Einheiten eingeschaltet haben. Ankara will diese Chance auch politisch nutzen. Mit einer Teilamnestie, die das Kabinett jetzt dem Parlament vorlegte, sollen die Rebellenkämpfer zum Ausstieg aus der PKK eingeladen werden. PKK-Mitglieder, die keine Gewalttaten begangen haben, sollen demnach straffrei in ihre Heimatdörfer zurückkehren können, andere erwartet eine Teilamnestie.

Die PKK-Führung ist entsetzt. Als „Kriegserklärung“ bewertete Führungsratsmitglied Murat Karayilan die Amnestie, von der er als führender Funktionär ausgenommen ist. Die Rebellenorganisation sieht ihre letzten Felle davonschwimmen. Im Wandel der Region sind der PKK sowohl ihre Forderungen an die Türkei als auch ihre Förderer in den Nachbarstaaten abhanden gekommen – nun steht das Ende der Organisation bevor.

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