Politik : Ohne Krawatte

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Ist es ein Wunder, dass das Volk in Massen auf die Straßen geht, wenn die Politiker aller Parteien so sind, wie dicke Schlagzeilen sie uns oft vorführen, nämlich schlecht? Die wollen zwar vom Volk Stimmen einheimsen, tragen aber teure Anzüge, sind faul, lassen sich von Interessenverbänden und Managern auf feine Empfänge einladen, streichen gierig fette Diäten ein und haben schon lange keinen Kontakt mehr zu normalen Bürgern. Ist der ganze Bundestag von solchen Schmarotzern besetzt? Nein, nicht ganz: Ein einsamer Rebell trotzt dem allgemeinen Verfall politischer Sitten. Und bekennt frei von falscher Bescheidenheit, dass er sich vom Rest der Politiker unterscheidet: „Uwe Schummer ist anders als viele seiner Kollegen“, lässt der Parlamentarier aus Viersen nun in einer Pressemitteilung wissen: „Der CDU-Abgeordnete tritt nicht nur im Cord-Anzug und ohne Krawatte auf, auch seine Politik ist ungewöhnlich.“

Bei Rudolf Scharping hat ungewöhnliche „Politik ohne Bart“ zwar am Ende doch nicht so richtig funktioniert, aber „Politik ohne Krawatte“ ist vielleicht auch mal ganz interessant. Zumal Schummer seine Einkünfte veröffentlicht und regelmäßig bei richtigen Malochern arbeitet. Mit solcher Offenheit macht man sich im Hohen Haus auch Feinde. Sich selbst betrachtet der Ex-Geschäftsführer der CDU-Sozialausschüsse als „Herz-Jesu-Politiker“. Und lässt uns wissen: „Auch auf der politischen Bühne hat der Herz-Jesu-Politiker Erfolge zu verzeichnen.“ Erfolg ist gut! Schummers Lebensmotto stammt allerdings nicht direkt von Jesus, sondern von Laotse: „Liebe Deine Feinde. Aber sei schneller als sie.“ Dann aber dalli, dalli, Politiker Schummer! Beim Laufen stören Krawatten ohnehin nur.

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