Politik : Ohne Referendariat Lehrer

Arbeitgeber fordern Ausbildungsreform / Wirtschaft als Vorbild

Anja Kühne

Berlin. Die Arbeitgeber fordern eine bessere Ausbildung der Lehrer. Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, sagte am Freitag, das Staatsexamen und das Referendariat müssten abgeschafft werden. Stattdessen solle es einen praxisorientierten Masterabschluss sowie Trainee-Programme nach dem Vorbild der Wirtschaft geben. Außerdem wünscht Hundt Eingangsprüfungen für Lehrer, die die Hochschulen am Beginn des Studiums und vor dem Übergang ins Masterstudium abnehmen sollen. Ein „Qualifizierungszeugnis“ soll das zweite Staatsexamen ablösen. Weiterhin treten die Arbeitgeber für eine bessere Qualifizierung der Schulleiter ein und dafür, dass Schulen ihr Personal selbst auswählen dürfen.

Mit seinen Vorschlägen stieß Hundt bei den Hochschulrektoren auf Zustimmung. „Die Ideen sind zwar nicht ganz neu, aber wir stimmen mit ihnen im Grunde überein“, sagte Peter Gaehtgens, der Chef der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) dem Tagesspiegel. Es sei nachvollziehbar, dass sich die Arbeitgeber für die Lehrerbildung interessierten. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hält es für richtig, das Studium zu verbessern. Zu Recht sei eine Reihe von Reformen bereits auf dem Weg, sagte der stellvertretende GEW-Vorsitzende Norbert Hocke auf Anfrage.

In der Tat liegt Hundt mit seinen Vorschlägen im Trend. Die Bundesländer sind dabei, alle Studiengänge auf die international anerkannten Abschlüsse Bachelor und Master umzustellen. Gleichzeitig werden bei der Lehrerausbildung die Praxisanteile ausgebaut. So ist etwa in Baden-Württemberg bereits 2001 ein Praxissemester eingeführt worden. Eine Eingangsprüfung gibt es nicht, aber bald dürfen sich die Unis bis zu 50 Prozent ihrer Studenten selbst aussuchen. Das Referendariat bleibt erhalten, wird aber in manchen Bundesländern verkürzt und besser als bisher mit der Uni verzahnt.

Die von Hundt gewünschte Autonomie für Schulen, die auch Bundesbildungsministerin Bulmahn fordert, ist in vielen neuen Gesetzen festgeschrieben.

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