Politik : Oklahoma-Attentäter: Anwälte von McVeigh sichten die neuen FBI-Akten

Nach der Verschiebung der Hinrichtung des Oklahoma-Attentäters Timothy McVeigh haben seine Anwälte am Wochenende die neu zugegangenen FBI-Akten gesichtet, um die Chancen für eine mögliche Wiederaufnahme des Prozesses zu prüfen. Möglicherweise muss der Prozess gegen McVeigh wegen der FBI-Panne neu aufgerollt werden. Diese Ansicht vertreten Rechtsexperten nach einem Bericht der Zeitung "Washington Post". Justizminister John Ashcroft beriet am Samstag mit US-Präsident George W. Bush in Camp David über die Versäumnisse des FBI. Am Freitag hatte Ashcroft die Vollstreckung des Todesurteils um einen Monat verschoben, weil die US-Bundespolizei den Verteidigern von McVeigh stapelweise Akten mit Zeugenaussagen vorenthalten hatte. Sie enthielten jedoch nichts, was die Schuld des 33-Jährigen in Zweifel ziehe, betonte Ashcroft. Der als Mittäter zu lebenslanger Haft verurteilte Terry Nichols beantragte wegen des Versäumnisses der Behörden inzwischen die Wiederaufnahme seines Prozesses.

McVeigh war nach den Worten seines Anwalts Rob Nigh bekümmert darüber, dass seine Freunde und Verwandten das Abschiednehmen nun wahrscheinlich noch einmal von vorn durchmachen müssten. Bislang hatte McVeigh stets auf die Beschleunigung des Verfahrens gedrängt. Er hatte nach seiner Verurteilung in Interviews eingestanden, dass er die Bombe legte, die im April 1995 in Oklahoma City 168 Menschen tötete. Die ursprünglich für Mittwoch geplante Hinrichtung soll nun am 11. Juni stattfinden.

Nichols Anwalt Michael Tigar teilte am Samstag in Washington mit, sein Mandant werde vor den Obersten Gerichtshof der USA ziehen. Die rund 3100 Seiten Beweisdokumente enthielten bisher nicht bekannte Informationen über das Attentat. Laut US-Medienberichten betreffen sie unter anderem den Unbekannten, den Zeugen kurz nach dem Anschlag auf das Behördengebäude in Oklahoma City gesehen haben wollen. Er wurde nie entdeckt. Die Geschworenen kamen 1997 zum Schluss, dass McVeigh das Attentat allein verübte. Die Theorie, er sei Teil einer Verschwörung gewesen, hielt sich hartnäckig, wurde jedoch nie bewiesen.

Seitens des FBI wurde der Vorfall mit dem veralteten Computersystem erklärt. Es sei klar, dass die Bundespolizei die Spielregeln nicht eingehalten habe, sagte Ashcroft. Bush stellte sich am Samstag hinter seinen Justizminister.

Die US-Bürger sind einer Umfrage zufolge geteilter Meinung über die Versäumnisse des FBI. 43 Prozent glauben laut einer am Samstag veröffentlichten Meinungsumfrage der Wochenzeitung "Newsweek", dass das FBI die Akten nicht übergab, weil es etwas zu verheimlichen hatte.

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