Politik : Old DDR, new DDR

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Ist Donald Rumsfeld eigentlich ein Mann mit Humor? Kürzlich hat eine deutsche Politikerin eine komplizierte Mission unternommen, um genau dies herauszufinden. Und siehe da: Der US-Verteidigungsminister soll geschmunzelt haben. Das wenigsten legt eine kleine Episode nahe, die in der Zeitung „International Herald Tribune“ zu lesen war. Aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr die Zeitung von einer Szene während des Mittagessens, das der Fan des „neuen Europa“ für Angela Merkel gab. Die deutsche Politikerin sorgte für Heiterkeit, als sie anmerkte, sie habe auch „a little bit of new Europe in her“ (ein kleines bisschen neues Europa in ihr). Begründung: Weil sie in der DDR und nicht im Westen aufgewachsen sei.

Nun scheinen unterschiedliche historische Erfahrungen in der Irak-Debatte tatsächlich eine große Rolle zu spielen, wie man an Osteuropa sieht. Wer erst von Nazi-Deutschland verwüstet und dann lange als Sowjet-Vasall darben musste, gibt Diktatoren kein Pardon. Freilich ist Merkels Inanspruchnahme der alten DDR als „neues Europa" gewagt – vor allem in der Irak-Debatte. Schließlich waren es die Wähler im Osten, die in der Schlussphase des Wahlkampfs den Ausschlag für Rot-Grün gaben – weil ihnen Schröders Kriegs-Warnung mächtig imponierte. Also „new DDR“ oder doch „old DDR“? Schauen wir nach vorne: Wichtig ist ja nur, dass in Berlin die Arbeitsteilung zwischen Regierung und Opposition in der Außenpolitik funktioniert: Der Kanzler bringt die Spitzenpolitiker der US-Regierung zum Schäumen, Angela Merkel bringt sie zum Lachen. Alter Humor? Neuer Humor? Das ist nun wirklich egal. Hauptsache Lachen. Gerade jetzt.

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