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Olympia : Berliner Medaillenhoffnungen

München hat das Rennen um die Olympischen Winterspiele 2018 verloren. Das ist Berlins Chance. So sieht es der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und mit ihm ein Großteil der Berliner Landespolitik.

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Münchens Scheitern ist Berlins Chance. So sieht es der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und mit ihm ein Großteil der Berliner Landespolitik. Nach der deutlichen Niederlage Münchens bei der Abstimmung um die Olympischen Winterspiele 2018 fordert Wowereit einen Zeitenwechsel von Winter- zu Sommerspielen. Doch fast genauso schwierig wie der Olympiasieg ist im Städtewettbewerb die deutsche Meisterschaft. Denn Berlin könnte auch beim nächsten Wettbewerb nur Zuschauer sein, wenn sich der deutsche Sport noch ein weiteres Mal für eine Bewerbung um Winterspiele entscheidet. Eine parallele Bewerbung ist nicht möglich.

Dass sich Deutschland noch einmal um Olympische Spiele bewerben sollte, dazu gibt es auch Forderungen aus der Bundespolitik: Die Vorsitzende des Bundestags- Sportausschusses, Dagmar Freitag, würde eine Bewerbung grundsätzlich unterstützen. Aber zuerst müsse analysiert werden, „wie es zu dieser vom zahlenmäßigen Ergebnis her deprimierenden Niederlage von München kommen konnte“. Es sei jetzt Aufgabe des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unter Führung von Präsident Thomas Bach herauszufinden, ob tatsächlich die Tatsache, dass sich Südkorea bereits mehrfach beworben habe, entscheidend gewesen sei. „Ist dem so, könnte sicherlich eine neuerliche Bewerbung von München Sinn machen“, sagt Dagmar Freitag. Doch auch eine Bewerbung um Sommerspiele „hätte sicher großen Charme“. Und eine Bewerbung Berlins käme dann „selbstverständlich“ in Frage.

An diesem Mittwoch befasst sich in Frankfurt am Main das Präsidium des DOSB mit einer neuen Bewerbung und daher auch mit der Auswahl zwischen Sommer- und Winterspielen. Der Sport ist in dieser Entscheidung autonom, und bis jetzt halten sich die meisten Verbandsvertreter mit einer Meinung für Sommer- oder Winterspiele zurück. Zum einen Teil aus Rücksicht auf den Verlierer München, zum anderen aus taktischen Gründen. Klar positioniert hat sich bisher der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV). Die Leichtathletik gilt als olympische Kernsportart. „Wir müssen den Ehrgeiz haben, nach 1972 wieder Sommerspiele in Deutschland auszurichten“, sagt Clemens Prokop, der Präsident des DLV. „Nachdem Berlin das Endspiel der Fußball-WM und die Leichtathletik-WM ausgetragen hat, ist es nur logisch, sich jetzt um Sommerspiele zu bewerben.“ Bei Sommerspielen könne Berlin all das ausspielen, was es auch schon bei anderen Großveranstaltungen gezeigt hätte, bis hin zum Public Viewing. Der DLV bewirbt sich mit Berlin auch um die Leichtathletik-Europameisterschaften 2018.

Prokop sitzt allerdings nicht im Präsidium des DOSB. Und aus diesem Gremium kam bisher noch keine Unterstützung für eine Berliner Kandidatur. Auch nicht von den beiden anderen starken Sommersportverbänden Turnen und Schwimmen. Rainer Brechtken, der Präsident des Deutschen Turner-Bunds, sagt: „Wir müssen die Situation klar und nüchtern analysieren und dürfen uns nicht zu Schnellschüssen verleiten lassen.“ Die Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbands, Christa Thiel, will erst einmal die Debatte im Präsidium abwarten.

Die Zurückhaltung der beiden erklären sich andere im Sport auch damit, dass Brechtken und Thiel Ambitionen auf die Nachfolge von DOSB-Präsident Thomas Bach hätten und es sich daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit den Wintersportverbänden verscherzen wollten. Überhaupt ist die Debatte stark vom Eindruck persönlicher Ziele überlagert. DOSB-Präsident Bach wird nachgesagt, auch deshalb bisher keine Bewerbung mit Berlin um die Sommerspiele 2020 angestrebt zu haben, weil das IOC darüber 2013 zum gleichen Zeitpunkt befindet wie über seinen neuen Präsidenten. Und Bach gilt derzeit als aussichtsreichster Kandidat auf die Nachfolge von Jacques Rogge.

Wenn überhaupt, hätte sich der DOSB ohnehin im Schnellverfahren auf Berlin verständigen müssen. Denn schon am 29. Juli müssen die Kandidaten für die Sommerspiele 2020 beim Internationalen Olympischen Komitee vorregistriert werden. DOSB-Sprecher Christian Klaue sagt: „Eine Bewerbung um 2020 ist aufgrund der neuen Bestimmungen ausgeschlossen.“ Berlin hätte zudem bestimmt einen Parlamentsbeschluss gebraucht. Es wird also keine Bewerbung um Sommerspiele 2020 geben.

Das Präsidium des DOSB steht daher vor der Wahl: Noch einmal mit München einen Anlauf für die Winterspiele 2022 nehmen oder sich um Sommerspiele bewerben, wobei Berlin aufgrund der Sportstätten und seiner internationalen Ausstrahlung der stärkere Kandidat gegenüber Hamburg wäre. Nach diesem Szenario käme Berlin 2024 in Frage. Wie groß die Chancen dann sein werden, hängt auch davon ab, welchem Kandidaten das IOC den Zuschlag für 2020 erteilt. Wählt es eine europäische Stadt wie Madrid, hätte Berlin erst wieder Aussichten, die Spiele 2028 zu gewinnen.

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