Olympia-Pleite der Hauptstadt : „Eine schallende Ohrfeige für Berlin“

Berlins Sportbund-Präsident Klaus Böger ist enttäuscht von olympischen Fachverbänden, auf deren Unterstützung die Hauptstadt vergeblich gehofft hatte. Nun will der Senat seine großzügige Sportförderung überdenken.

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Will die Niederlage nicht persönlich nehmen und nun Hamburg unterstützen: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller.
Will die Niederlage nicht persönlich nehmen und nun Hamburg unterstützen: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller.Foto: dpa

Nach der Entscheidung für Hamburg als nationale Bewerberstadt für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 überdenkt Berlin nun seine Sportförderung. „Für uns ist mit der Olympiabewerbung ein strategischer Orientierungspunkt in der Sportpolitik weggefallen. Selbstverständlich ist es unsere Aufgabe, darüber zu reden, wie wir die Sportpolitik jetzt neu justieren“, sagte der für Sport zuständige Staatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) dem Tagesspiegel.

Mit manchmal zweistelligen Millionenbeträgen, wie etwa bei der Leichtathletik-WM, unterstützt Berlin bislang Großveranstaltungen. Die Akquise von nationalen und internationalen Sportveranstaltungen könnte nach der Entscheidung für Hamburg zurückgehen. Vor allem auch angesichts der fehlenden Unterstützung der olympischen Fachverbände. 18 Verbände hatten sich für Hamburg ausgesprochen, nur elf für Berlin und vier für beide Städte. Vor der Abstimmung war ein umgekehrtes Verhältnis erwartet worden. „Das ist eine schallende Ohrfeige für das, was Berlin geleistet hat und vorhat“, sagte Klaus Böger, der Präsident des Landessportbunds Berlin.

Einen Tag nach der Olympia-Niederlage möchte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) keine weitere Fehlersuche betreiben. „Ich glaube, das ist eine müßige Debatte“, sagte Müller am Dienstag auf einer Bezirkstour. „Andere Dinge“ als die Internationalität von Berlin und die Erfahrung der Stadt mit großen Sportveranstaltungen hätten bei der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) eine Rolle gespielt. Damit meinte Müller das Ergebnis der im Februar im Auftrag gegebenen Umfrage. 55 Prozent der Berliner sprachen sich für Olympia aus. In Hamburg waren es 64 Prozent.

Nicht nur die messbare Begeisterung sprach für Hamburg, sondern auch die fühlbare

DOSB-Präsident Alfons Hörmann machte in seiner Begründung deutlich, dass neben dem deutlichen Votum der Spitzenverbände für Hamburg, dem Austausch mit dem Expertengremium auch die „nicht nur messbare, sondern spürbar größere Begeisterung“ in Hamburg für Olympische Spiele mit ausschlaggebend war. Auch wenn Berlin eine gute Präsentation in Frankfurt am Main vorbereitet hatte, war nach den beiden Auftritten am Sonntag und Montag mehrfach zu hören, dass Berlin im Vergleich zu Hamburg die nötige Emotionalität gefehlt habe.

Der Berliner Sportsenator Frank Henkel (CDU) schloss eine erneute Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele 2028 aus. Die Niederlage gelte es zu akzeptieren. Außerdem kann Hamburg nach einem Scheitern der Bewerbung für 2024 erneut für die Ausrichtung von Olympia 2028 antreten.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) rief dazu auf, die Bewerbung von Hamburg mit voller Kraft zu unterstützen. „Für Olympia sind wir ab heute alle Hamburger“, sagte de Maizière am Dienstag in Berlin. Jetzt gehe es um eine Bewerbung für Deutschland.

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