Olympia und Fußball-WM : Sorge um die Sicherheit

Nach dem Terroranschlag auf dem Moskauer Flughafen wächst die Sorge, ob die Sicherheit während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi und zur Fußball-WM 2018 in Russland zu gewährleisten ist.

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Heißkalt. Behörden sorgen sich um die Sicherheit im Olympiaort Sotschi.
Heißkalt. Behörden sorgen sich um die Sicherheit im Olympiaort Sotschi.Foto: AFP

Nach dem Anschlag von Moskau zerbrechen sich russische Politik- und Sportfunktionäre die Köpfe, wie sie den PR-Flurschaden begrenzen können, der von der blutigen Tat ausgeht. Grund zur Sorge ist durchaus vorhanden. Im Dezember wählt Russland ein neues Parlament, im Frühjahr 2012 dann einen neuen Präsidenten. Vor allem aber: 2012 findet in der Teilrepublik Tatarstan die Universiade statt. Sie gilt als Generalprobe für die Olympischen Winterspiele 2014 im Schwarzmeerkurort Sotschi. 2018 ist Russland Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft, und auch ein Formel-1- Rennen soll 2014 in Sotschi ausgetragen werden. In einem Staat, der den Terrorismus partout nicht in den Griff bekommt, wie der jüngste Anschlag mit aller Deutlichkeit zeigte.

Die komplizierte Sicherheitslage dürfte Sportler wie Zuschauer dazu bewegen, sich zweimal zu überlegen, ob sie Leib und Leben riskieren. Der Anschlag bestärkt all jene, die warnten, Winterspiele und Fußball-WM seien anderswo besser aufgehoben. Als extrem problematisch unter sicherheitspolitischen Aspekten gilt ausgerechnet die künftige Olympiastadt Sotschi, wo später auch Spiele der Fußball-WM stattfinden sollen. Denn das olympische Dorf und mehrere Wettkampfstätten liegen unweit der Grenze, die Russland von Abchasien trennt. Es ist eine Region, die Georgien nach wie vor als integralen Bestandteil seines Staatsterritoriums betrachtet und dabei von den meisten westlichen Staaten unterstützt wird. Experten hatten vor den damit verbundenen Risiken lange vor Beginn des Krieges gewarnt, den Russland und Georgien sich um dessen abtrünnige Regionen im August 2008 lieferten. Die Fachleute schließen einen neuen Waffengang nicht aus.

Auch in den Planspielen von Extremisten aus dem Nordkaukasus spielt Sotschi eine herausragende Rolle. Dabei geht es nicht nur um Rache für historisches Unrecht, das Russland den Kaukasiern in jüngerer Zeit angetan hat, vor allem durch den Krieg in Tschetschenien, das von Sotschi keine 500 Kilometer entfernt ist. Gegen die Wahl des Standortes laufen weltweit auch Organisationen der Tscherkessen Sturm. Denn früher gehörten ihrem Stamm die Berge, auf deren Hängen jetzt Pisten für Abfahrtslauf und Riesenslalom entstehen. Sie fordern von Moskau nicht nur Entschuldigung, sondern auch Wiedergutmachung für das, was sie als Völkermord bezeichnen. Sie und die Tschetschenen waren Motor des Widerstands im Großen Kaukasuskrieg Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Zarenreich rächte sich mit Massakern und kollektiver Deportation ins Osmanische Reich. Gut zwei Drittel der über zwei Millionen Menschen zählenden Volksgruppe leben daher heute in der Türkei und im Nahen Osten.

Vor allem in der gut betuchten und einflussreichen Diaspora vermutet Moskau auch die Drahtzieher einer Kampagne, mit der Tscherkessen-Verbände sich derzeit weltweit um Unterstützung ihrer Forderungen bemühen. Unmittelbarer Anlass sind Pläne für eine historische Parade zur Eröffnung der Olympischen Spiele. Damit will Moskau den 150. Jahrestag des Sieges im Großen Kaukasuskrieg feiern – in Krasnaja Poljana, wo die alpinen Disziplinen ausgetragen werden und schon 1864 die Siegesparade stattfand. Zeitgleich stürzten sich dort damals tausende Tscherkessen in einen mehrere hundert Meter tiefen Abgrund, um der Deportation in die Türkei zu entgehen.

Nun sind Sport und Politik erst einmal um Beruhigung der Situation bemüht. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sprach den Russen das volle Vertrauen für die Winterspiele 2014 in Sotschi aus. Man habe „keine Zweifel“, dass das Land sichere Spiele ausrichten werde, hieß es am Dienstag. Auch der Eisschnelllauf-Weltcup findet von Freitag bis Sonntag planmäßig in Moskau statt. Gleiches gilt für das Leichtathletik-Meeting am 6. Februar in Moskau und den Langlauf-Weltcup in Rybinsk am gleichen Wochenende. Elke Windisch

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