Olympische Spiele : Chinesische Polizei verhaftet Deutsch-Tibeter

Während der Olympischen Spiele sind die politische Situation in Tibet und Chinas Haltung zu Menschenrechten fast in Vergessenheit geraten. Das könnte sich nun wieder ändern: In Peking wurde eine Gruppe ausländischer Protestler festgenommen und zu 10 Tagen Gefängnis verurteilt – unter ihnen befindet sich auch ein deutscher Staatsbürger tibetischer Abstammung.

Carsten Hoefer,Till Fähnders[dpa]

PekingKurz vor Ende der Olympischen Spiele hat die Polizei in Peking ihr Vorgehen gegen Demonstranten verschärft und erstmals Haftstrafen von zehn Tagen gegen ausländische Tibet-Aktivisten verhängt, darunter einen Deutschen. Das Auswärtige Amt bestätigte am Freitag die Inhaftierung des 30 Jahre alten Deutsch-Tibeters Florian Norbu Gyana Tshang, der in der Nacht zum Donnerstag vor dem Olympia-Gelände festgenommen worden war. Mitarbeiter der deutschen Botschaft besuchten den Stuttgarter Softwareentwickler im Gefängnis. Die USA forderten die chinesische Regierung auf, Menschenrechte und Redefreiheit zu achten. Acht der zehn Inhaftierten sind US-Bürger.

Tibet-Flagge vor Olympia-Gelände entrollt

Die Organisation Students for a Free Tibet hat die chinesische Regierung in den vergangene Tagen mit einer Serie von acht Protestaktionen in Peking überrascht, weswegen der Sicherheitsapparat offenbar eine schärfere Gangart anschlägt. Bislang waren festgenommene Tibet-Aktivisten nur verhört und anschließend sofort abgeschoben worden. Die Schwester des Deutschen sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa telefonisch, die Familie sei darüber informiert worden, dass ihr Bruder bis Ende August in Haft bleiben müsse. "Wir machen uns viele Sorgen, aber wir sind stolz auf ihn", sagte Yuldon Gyana Tshang.

Gemeinsam mit dem Deutsch-Tibeter waren in der Nacht zum Donnerstag noch drei weitere ausländische Tibet-Aktivisten aus den USA und Großbritannien festgenommen worden, nachdem sie in der Nacht zum Donnerstag vor dem Olympia-Gelände eine Tibet-Flagge ausgerollt hatten. Unklar war zunächst, ob auch die anderen drei Festgenommenen länger in Haft bleiben müssen. Die chinesische Polizei hatte außerdem noch zwei Pressefotografen vorübergehend festgenommen.

Bundesregierung bestätigt Festnahme

IOC-Chefsprecherin Giselle Davies kritisierte die Festnahme der Journalisten am Freitag als "unglücklich". "Wir haben bereits letzte Woche gesagt, dass wir so etwas nicht sehen wollen."

Einen Tag vorher waren bereits sechs US-Bürger wegen "Störung der öffentlichen Ordnung" verhaftet worden, die ebenfalls zehn Tage im Gefängnis bleiben müssen. Nach Angaben von Students for a Free Tibet waren diese sechs nicht aktiv an Protesten beteiligt, sondern machten Film- und Videoaufnahmen.

Die US-Botschaft erklärte: "Wir bestärken die chinesische Regierung darin, Respekt für Menschenrechte zu zeigen, darunter auch Rede- und Religionsfreiheit aller Menschen während der Olympischen Spiele und darüber hinaus." Von deutscher Regierungsseite kam keine Kritik an China, lediglich die Bestätigung der Inhaftierung des 30 Jahre alten Stuttgarters.

Tibetaktivisten werten Aktionen als Erfolg

"Norbu ist es in erster Linie ein Anliegen, dass das Leid der Tibeter in Tibet nicht in Vergessenheit gerät und dass endlich ernsthafte Schritte seitens der chinesischen Regierung eingeleitet werden, um die nun fast 60 Jahre andauernde brutale Unterdrückung des tibetischen Volkes friedlich zu beenden", sagte seine Schwester in Deutschland.

Students for a Free Tibet nahmen es am Freitag zum neunten Mal in Peking mit der chinesischen Polizei auf - bei einer riskanten Pressekonferenz vor einer diplomatischen Wohnanlage im Osten der Stadt. "Wir haben es geschafft, diese Frage ins Scheinwerferlicht zu bringen", erklärte die amerikanische Aktivistin Ginger Cassady. Sicherheitskräfte in Zivil und Uniformen beobachteten und filmten die Veranstaltung.

Insgesamt seien 50 Aktivisten für die Gruppe mit Touristen-Visa nach China eingereist. Die deutsche Tibet Initiative verurteilte in einer Mitteilung den Umgang mit Protestierenden und Journalisten in Peking, "vor allem aber die unverminderte Unterdrückung der Tibeter".

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