Olympische Spiele in Brasilien : Ein bisschen wie auf Koks

Eduardo Paes ist Bürgermeister von Rio de Janeiro. Ein kleines Porträt

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Eduardo Paes.
Eduardo Paes.Foto: dpa

Man möchte nicht mit Eduardo Paes tauschen. Da hat der Bürgermeister der Olympiastadt Rio de Janeiro gerade die neue Straßenbahn im neuen Hafenviertel eingeweiht – und dann fällt gleich am ersten Tag der Strom aus. Paes, nie um Worte verlegen, fand schnell eine Replik: „Wer nach Rio kommt, darf nicht London oder New York erwarten!“

Vorschnell, frech, selbstgerecht

Paes, seit sieben Jahren Rios Stadtoberhaupt, variiert diese Antwort gerne, benutzt auch mal Berlin und Frankfurt als Vergleichsorte. Wobei es ihm die deutsche Hauptstadt besonders angetan zu haben scheint. Vor einigen Wochen stürzte ein gerade eröffneter Fahrradweg ein, der über Pfeiler entlang der Steilküste führte. Zwei Menschen starben. Und was sagte Paes? Dass es beim BER in Berlin ja auch Probleme gäbe. Es war eine typische Antwort von ihm. Vorschnell, frech, selbstgerecht, Ausdruck fehlender Sensibilität.

Deswegen wunderte sich auch nur, wer Paes nicht kennt, als er der australischen Olympiamannschaft versprach, ein Känguru vors Quartier zu stellen. Die Australier hatten sich über schmutzige Wohnungen beschwert, in denen das Wasser nicht aus den Hähnen im Bad lief, sondern von der Decke tropfte. Paes entschuldigte sich, die Australier nahmen es mit Ironie.

Er hatte sich große Chancen für sich erhofft

In gewisser Weise kann man Paes' Dünnhäutigkeit sogar verstehen. Der 46-Jährige, der immer ein bisschen wie auf Koks wirkt, hatte sich auf die Party seines Lebens vorbereitet. Wenn die Olympischen Spiele in Rio ein Erfolg würden, so wurde spekuliert, dann wäre Paes ein sicherer Präsidentschaftskandidat.
Doch dann kamen die Probleme über Brasilien wie biblische Plagen. So als ob auf sieben fette Jahre nun sieben magere folgen würden mit Wirtschaftskrise, Politkrise, Korruptionsskandal, Zika-Virus, verseuchten olympischen Gewässern, steigender Kriminalität, verzögerten Olympiabauten und dann auch noch der Pleite des Bundesstaats Rio de Janeiro.

Nachdenklichkeit kommt bei ihm selten vor

Für das meiste ist Eduardo Paes nicht verantwortlich, etwa für die öffentliche Sicherheit oder die neue U-Bahnlinie, die auf den letzten Drücker fertig geworden ist. Aber die internationalen Medien schreiben fast schon lustvoll die Spiele der Apokalypse herbei. Paes unterhält ein enges Verhältnis zu Rios Baubranche, die seine Wahlkämpfe finanziert – manche nennen es Korruption –, und ist empfindlich geworden. Zuletzt sagte er, dass die Spiele eine vertane Chance seien, weil Brasilien sich nicht von seiner besten Seite präsentiere. Da klang Paes ausnahmsweise einmal nachdenklich.

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