Olympische Spiele in Peking : Nooke: "Spiele dürfen keine Jubelkulisse werden"

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, hat dazu aufgerufen, den "internationalen Druck auf die chinesische Führung noch zu verstärken". Während FDP-Chef Westerwelle auf Verständigung setzt, will Grünen-Politiker Hermann erst einmal abwarten.

BerlinDem Tagesspiegel sagte Nooke (CDU): "Es gibt ja keinen Zweifel daran, dass die Tibeter unterdrückt werden. Ich plädiere dafür, dass wir den Tibet-Konflikt gemeinsam mit unseren Partnern in der EU auf die Tagesordnung des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen setzten, der seit zwei Wochen in Genf tagt. Die deutsche Delegation wird dieses Thema innerhalb der EU ansprechen. Ich fände es gut, wenn es zu einer entsprechenden Initiative käme. Der Menschenrechtsrat wäre auch der Ort, zu besprechen, ob eine internationale Kommission nach China entsandt werden sollte."

Nooke sagte zum Thema Olympia-Boykott: "Sicher kann es Situationen geben, in denen es unmöglich wird, in einem Land Olympische Spiele abzuhalten. Aber genau das müssen wir in China verhindern. Deshalb appellieren wir dringend an die Verantwortung der chinesischen Führung. Es darf keine Spiele geben, die als Jubelkulisse die Sicht auf die permanenten Menschenrechtsverletzungen verdecken." Zu der direkten Frage nach einem Boykott antwortete Nooke: "Ich halte überhaupt nichts von einem Boykott."

FDP-Chef: "Wir setzen auf Verständigung durch Gespräche"

FDP-Chef Guido Westerwelle hat sich im Tagesspiegel ebenfalls zur Situation in Tibet geäußert. Wörtlich sagte Westerwelle: "Die Olympischen Spiele in Peking können einen Wandel durch Annäherung unterstützen, deshalb ist es aus heutiger Sicht richtig, sie nicht zu boykottieren. Buddhistische Tugenden und chinesische Weisheit sind weltweit anerkannt. Wir setzen auf eine baldige Verständigung durch Gespräche."

Grünen-Politiker Hermann: Nicht unter Bürgerkriegs-Umständen

Der Grünen-Politiker Winfried Hermann sieht das Internationale Olympische Komitee (IOC) in der Pflicht, die weitere politische Entwicklung in Tibet vor dem Beginn der Sommerspiele in Peking genau zu beobachten. Sollten sich die Unruhen in Tibet zu einem Bürgerkrieg ausweiten, "dann muss sich das IOC ernsthaft fragen, ob es mit den Regeln der Olympischen Spiele vereinbar ist, diese Spiele überhaupt zu beginnen", sagte Hermann dem Tagesspiegel.

Einen Boykott der Spiele durch einzelne Nationen hält der Grünen-Politiker, der Mitglied im Sportausschuss des Bundestages ist, hingegen für verfehlt. "Man kann von Sportlern nicht das erwarten, was die Politik nicht leistet und die Wirtschaft schon gar nicht leisten will", sagte er. Es sei allerdings die Aufgabe des IOC, deutlich zu machen, "dass der Sport von seinem Grundgedanken her auf die Freiheit, die Gleichheit und den friedfertigen Wettbewerb zielt." Auch die Sportler, die an den Sommerspielen in Peking teilnehmen, seien verpflichtet, auf die Achtung von Menschenrechten und den Schutz von Minderheiten "deutlich hinzuweisen". (Tsp)

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