Olympischer Fackellauf : Die Reise bleibt unharmonisch

Beim olympischen Fackellauf durch die argentinische Hauptstadt Buenos Aires sind die angekündigten Protestaktionen ausgeblieben. Auch wenn kleinere Gruppe demonstrierten - behindert wurde das Feuer eher durch die große Zahl von Schaulustigen.

Fackel Argentinien
Einer der Fackelläufer in Buenos Aires: Windsurfer Carlos Espinola. -Foto: AFP

Buenos Aires/Peking Der olympischen Fackellauf durch die Buenos Aires verlief vergleichsweise harmlos. Anders als zuvor in Paris, London oder San Francisco rief das olympische Feuer nur wenige Kritiker der chinesischen Menschenrechtspolitik in Tibet, Darfur oder in Ostturkestan auf den Plan. Stattdessen drohte der Lauf am Freitag mehrmals an den Massen von Schaulustigen zu scheitern, die die Straßen der Innenstadt verstopften. Das Feuer kam damit langsamer als geplant voran. Der Vize-Präsident des Organisationskomitees der olympischen Spiele in Peking, Liu Jingmin, dankte dem "ganz liebenswürdigen" argentinischen Volk für die Gastfreundschaft.

Nur eine Handvoll von Demonstranten, meist Anhänger der in China verbotenen Kultgemeinschaft Falun Gong, demonstrierten gegen die Olympischen Spiele in Peking. Sie trugen Transparente, auf denen die Unterdrückung der Glaubensfreiheit sowie angebliche Folter und Mord in China angeprangert wurden. Anschließend liefen sie bei einem symbolischen Fackellauf mit zum Präsidentenpalast, um eine Erklärung zu übergeben.

Über 5000 Polizisten vor Ort

Die Behörden hatten insgesamt mehr als 5000 Polizisten und Ordner mobilisiert, um einen reibungslosen Ablauf des Laufs zu garantieren. Ein derartiges Aufgebot an Polizisten für ein sportliches Ereignis war zuletzt während der Militärdiktatur 1978 zur Fußballweltmeisterschaft in Argentinien im Einsatz. Das Feuer war am Vortag von San Francisco aus in Buenos Aires an Bord einer chinesischen Sondermaschine eingetroffen und sollte nach dem 14 Kilometer langen Lauf weiter nach Daressalam in Tansania reisen.

Mitglieder der Gruppe "Fackel für die Menschenrechte" demonstrierten kurz vor Beginn des olympischen Laufes mit einem alternativen Fackellauf auf die von ihnen beklagten Menschenrechtsverletzungen in China. "Was in China geschieht, kommt einem Holocaust gleich", sagte einer ihrer Sprecher, Axel Borgia. Ob er selbst Mitglied von Falun Gong sei, die Kritiker eine Sekte nennen, wollte Borgia nicht sagen.

Das Feuer war über Nacht an einem geheimen Ort irgendwo in Buenos Aires aufbewahrt worden. Die geplante Laufstrecke führte vom Hafen durch die Innenstadt am Präsidentenpalast Casa Rosada sowie am Wahrzeichen von Buenos Aires, dem Obelisken, vorbei Richtung der wohlhabenden Stadtteile, wo das Feuer bei einer Abschlusszeremonie mit geladenen Gästen in einem mondänen Reitclub verabschiedet wurde.

Japan will die "Fackelwächter" nicht

Nach Australien kündigte nun auch Japan an, die Sicherheitskräfte aus China beim Fackellauf am 26. April in der japanischen Stadt Nagano nicht akzeptieren zu wollen. Chinesische Sicherheitskräfte waren bei den Stationen in London, Paris und San Francisco im Einsatz, um die Flamme zu schützen. Die athletischen Offiziere in ihren blau-weißen Trainingsanzügen waren wegen ihres zum Teil rabiaten Verhaltens in die Kritik geraten.

Die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai (68) erteilte der "Reise der Harmonie" unterdessen eine Absage. Sie möchte wegen Chinas Tibet-Politik nicht an dem Fackellauf in Tansania teilnehmen. Die olympische Flamme soll nach dem Lauf durch Buenos Aires nach Daressalam im afrikanischen Tansania weiterreisen, der einzigen Station in Afrika. Sie war am Vortag von San Francisco aus an Bord einer chinesischen Sondermaschine in Buenos Aires eingetroffen. (ck/mhz/dpa)

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