Politik : Onkel Schröder aus Europa

Millionenaufträge und kleine Geschenke: Der Kanzler in Jakarta

Moritz Kleine-Brockhoff[Jakarta]

Von Moritz Kleine-Brockhoff,

Jakarta

Bundeskanzler Gerhard Schröder reagierte schnell auf diesen Fehler. Die Frau, die die kurze Ansprache von Indonesiens Präsidentin Megawati ins Deutsche übersetzte, hatte sich ausgerechnet bei dem Satz versprochen, den Agenturen zur Nachricht des Tages machen. Megawati sprach über eine identische Irak-Position der indonesischen und der deutschen Regierung: „Wir wollen die Rolle der Vereinigten Staaten vergrößern …“, sagt die Übersetzerin. „… der Vereinten Nationen!“, unterbricht Schröder, „ein kleiner Unterschied“, sagt er mit feiner Ironie in der Stimme, „hat man ja gesehen“. Im Irak sollten die UN eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau und im Bereich der humanitären Hilfe übernehmen, darüber sei man sich einig, meint Megawati. Eine gute Stunde lang hatte sie mit Schröder gesprochen – hauptsächlich über Wirtschaftsthemen und über Kooperation im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.

Verwunderliches hatte in indonesischen Zeitungen gestanden, „träge" und „stagnierend" nannte Indonesiens Außenminister die Beziehungen. Aber davon war nichts zu spüren im Präsidentenpalast von Jakarta, einem weißen Prachtbau aus der holländischen Kolonialzeit. Irak-Politik, Ausbau der deutsch-indonesischen Wirtschaftsbeziehungen, Polizeizusammenarbeit – man ist sich einig. Dafür, dass es beim Kanzler-Besuch nur gute Nachrichten gab, hatten beide Seiten vorher gesorgt. Ein neues Investitionsschutzabkommen war auf den letzten Drücker fertig geworden und jetzt unterschrieben. Ein 270-Millionen-Euro-Kraftwerks- Auftrag für Siemens, der schon vor Wochen feststand, wurde auch jetzt besiegelt. Und weil der Kanzler eine „Finanzierungslücke" mit 25 Millionen Euro Entwicklungsgeldern schließen will, wird die deutsche Mayer Werft wohl bald für Indonesien zwei neue Passagierschiffe bauen.

Am Nachmittag fuhren Schröder und Megawati noch zur Deutschen Internationalen Schule. „Ein Onkel, der etwas mitbringt, ist besser ist als eine Tante, die nur Klavier spielt", sagt Schröder den Schülern, „5000 Euro für eure Bibliothek habe ich dabei, damit ihr Leseratten werdet." Und dann fuhr der Kanzler zum Flughafen, nach Vietnam flog er, auch dort sollen Wirtschaftsthemen im Mittelpunkt stehen. Siemens-Chef Heinrich von Pierer, der dabei ist, will über eine U-Bahn sprechen.

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