Politik : Opel-Arbeiter können hoffen

Unternehmenschefs wollen Autowerke in Bochum und Rüsselsheim über 2010 hinaus erhalten

Alfons Frese

Berlin - Parallel zu europaweiten Protesten hat sich am Dienstag eine Entspannung im Sanierungskonflikt bei Opel abgezeichnet. Die Opel-Chefs appellierten an den IG-Metall-Vorsitzenden Jürgen Peters, sich um eine Wiederaufnahme der Arbeit in Bochum zu bemühen. Peters sagte, das „Unternehmen möchte, dass die Proteste zurückgenommen werden. Das ist legitim“. Davon ließen sich die Arbeitnehmer in Bochum allerdings nicht beeindrucken. Sie wollen bis Mittwoch die Arbeit ruhen lassen und dann auf einer Belegschaftsversammlung über das weitere Vorgehen beschließen.

Am Vormittag hatten in Bochum rund 20000 Menschen für den Erhalt der Opel-Jobs demonstriert. Der Essener Bischof Franz Grave rief die Arbeitnehmer auf, an die Arbeit zurückzukehren. „Die Verweigerung führt auf die Verliererstraße“, sagte er. Insgesamt beteiligten sich an den europäischen Standorten der Opel-Mutter General Motors (GM) nach Angaben der Betriebsräte rund 50000 Personen an den Protesten. GM schreibt in Europa rote Zahlen und will deshalb in den nächsten zwei Jahren von 63000 Arbeitsplätzen 12000 streichen, darunter 10000 in Deutschland. Das soll 500 Millionen Euro bringen. Zu GM gehören in Europa neben Opel die britische Marke Vauxhall und die schwedische Saab.

Am Montagabend hatten sich Betriebsrat und Opel-Spitze auf das Ziel verständigt, Stellen sozialverträglich abzubauen und Werksschließungen zu vermeiden. Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster und der Vorstandsvorsitzende Hans Demant betonten am Dienstag in ihrem Schreiben an Gewerkschaftschef Peters das Ziel, „die Standorte Rüsselsheim und Bochum soweit wettbewerbsfähig zu machen, dass sie über 2010 hinaus als Automobilwerke erhalten werden können“. In dem Schreiben der Opel-Chefs, das dem Tagesspiegel vorliegt, ist ferner von „sozialverträglichen“ Personalanpassungen die Rede. Zugleich wird vor den Arbeitsniederlegungen in Bochum gewarnt, weil sie „massiv die Ziele der anstehenden Verhandlungen und die Zukunft des Standorts Bochum gefährden“. Die Opel-Chefs appellieren an Peters: „Wir ersuchen Sie deshalb, auf die lokalen Meinungsbildner und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzuwirken, um eine Situation zu schaffen, in der wir eine Lösung für die Zukunft dieser Standorte gestalten können.“

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement will die Lösung der Krise bei Opel offenbar zur Chefsache machen. Er sagte im ZDF, „Wir tun alles, um den Standort zu sichern und die notwendigen Gespräche zu führen“. Außenminister Joschka Fischer widersprach der These, die geplanten Massenentlassungen bei Opel könnten etwas mit der US-Verärgerung über die deutsche Außenpolitik zu tun haben. „Das ist keine politische Entscheidung“, sagte Fischer. Der schwedische Premier Göran Persson kündigte an, bei einem für Ende Oktober geplanten Treffen mit dem GM-Management für die heimische Saab-Produktion zu werben.

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