Opposition : Sachsen-SPD leitet den Umbau ein

Mit 35 Jahren ist Martin Dulig jüngster Landeschef der Sozialdemokraten in Deutschland, und doch ist er kein Heuriger mehr.

Matthias Schlegel

Berlin - „Wegen Umbau geöffnet“ hieß das auf ein Baustellenschild platzierte Motto des Landesparteitages der sächsischen SPD am Samstag in Dresden. Der im Um- und Aufbau befindliche Ort, eine Werkhalle im Gebäudeensemble „Zeitenströmung“ an der Königsbrücker Straße, einst ein Strömungsmaschinenbetrieb, sollte den Anspruch sinnfällig machen: Hier ging es den sächsischen Sozialdemokraten, die nun wieder Oppositionspartei sind, um einen Neuanfang, in den die besten Traditionen einfließen sollen.

Für diese Symbiose steht nach all den Zerwürfnissen und Enttäuschungen in der sächsischen SPD, die 2004 sogar mit einem einstelligen Wahlergebnis fertig werden musste, der auf dem Parteitag neugewählte Landesvorsitzende: Mit seinen 35 Jahren ist Martin Dulig jüngster Landeschef der Sozialdemokraten in Deutschland, und doch ist er kein Heuriger mehr. Denn seit 2004 sitzt der 1974 im sächsischen Plauen geborene und in Meißen aufgewachsene Dulig im Landtag. Seit 2004, also genau in jenem Zeitraum, als die SPD trotz ihres verheerenden Wahlergebnisses Juniorpartner der CDU in der Regierung war, führt er die kleine SPD-Fraktion im Landesparlament. Duligs Vorgänger Thomas Jurk, stellvertretender Regierungschef und Wirtschaftsminister in der fünfjährigen schwarz-roten Koalition, hatte bereits einen Tag nach der Landtagswahl vom 27. September seinen Rücktritt vom Parteiamt in dem gerade einmal 4600 Mitglieder zählenden Landesverband angekündigt.

Mit Dulig kommt nun einer jener Generation an die Spitze, die nicht vom Trauma der Ost-SPD, nämlich ihrem noch immer ungeklärten Verhältnis zur Linkspartei, geschädigt sind. Aus einem christlichen Elternhaus stammend und zu DDR-Zeiten statt in der FDJ in der Jungen Gemeinde engagiert, hegt Dulig zwar keine Sympathie für jene Front der Linkspartei, die sie als SED-Nachfolgerin unverkennbar macht. Doch zu einigen jungen Leuten aus der Linkspartei pflegt er ein ganz und gar unverkrampftes Verhältnis. Und dem viele Jahre von einem Großteil der sächsischen SPD vertretene Dogma, dass es mit den Erben der SED keine Zusammenarbeit geben dürfe, setzte er schon lange die jetzt offenbar in der SPD mehrheitsfähige Überzeugung entgegen, dass es immer auf die Inhalte ankomme und dass es eine Machtoption jenseits der CDU gebe.

Auf dem Parteitag warb Dulig dafür, die SPD als „linke Volkspartei“ fest in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. Der einstige Mitbegründer der Jusos in Sachsen und bodenständige Diplompädagoge, Vater von sechs Kindern, will „weg von der Gremienpartei, hin zur Beteiligungspartei“, und er will eine neue Diskussions- und Streitkultur entwickeln. Schon im Vorfeld hatte Dulig den Anspruch auch für den Bundesparteitag im November in Dresden formuliert: Die SPD habe ein „Godesberg 2.0“ nötig.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben