Politik : Oppositionelle Drusen in Libanon gegen Gespräche

Nach der Gewalttat in der Hauptstadt verhärten sich die Fronten im Zedernstaat

Andrea Nüsse

Kairo - Während in Libanon nach dem Anschlag vom Wochenende in Beirut die Angst vor Gewalttaten wächst, verhärten sich die politischen Fronten weiter. Bei der Explosion einer Autobombe waren in der Nacht zum Sonnabend elf Menschen in einem christlichen Vorort der Hauptstadt verletzt worden. Es war der erste größere Gewaltakt seit der Ermordung des Ex-Premierministers Rafik Hariri am 14. Februar.

Mit dem jüngsten Anschlag erhöht sich die Angst vor einem Wiederaufleben der konfessionellen Konfrontation in Libanon. Der führende Sprecher der Opposition, Drusenführer Walid Dschumblatt, wies ein Gesprächsangebot des pro-syrischen Präsidenten Emile Lahoud zurück. Gleichzeitig warnte Dschumblatt davor, dass es weitere politische Morde geben werde, wenn Lahoud und die Chefs der syrischen Geheimdienste nicht abgesetzt würden. Auch der UN-Sondergesandte Terje Roed-Larsen zeigte sich in einem am Sonntag veröffentlichen Interview „ernsthaft besorgt“, dass eine weitere führende politische Persönlichkeit ermordet werden könnte.

Die Opposition in Libanon hatte mit Massendemonstrationen eine ihrer Hauptforderungen, den Abzug der syrischen Truppen und Geheimdienstvertreter, durchsetzen können. Bis zu den im Mai geplanten Parlamentswahlen sollen voraussichtlich die meisten Truppen aus der Bekaa-Ebene auf die syrische Seite der Grenze abziehen. Doch nachdem die pro-syrischen Gruppen, die von Schiiten getragene Hisbollah und Amal, ihre politische Stärke mit Massendemonstrationen bewiesen, wurde der zurückgetretene pro-syrische Regierungschef Omar Karame wieder eingesetzt.

Alle politischen Gruppen scheinen sich inzwischen der Gefahr bewusst zu sein, die eine Vertiefung der Gräben in dem Land bedeuten würde. Immerhin könnte der geplante Besuch von 3000 Anhängern der Hisbollah, die an diesem Montag das Grab des ermordeten Hariri besuchen wollen, als versöhnliche Geste verstanden werden.

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