Politik : Oppositioneller Wade siegt - Präsident Diouf gibt sich geschlagen

Oppositionsführer Abdoulaye Wade hat die Präsidentschaftswahlen in Senegal gewonnen und löst den seit 19 Jahren regierenden Präsidenten Abdou Diouf ab. Diouf erkannte seine Niederlage während eines Telefongespräches mit Wade an, berichtete das staatliche Radio am Montag. Wades Sieg bedeutet das Ende der 40-jährigen Herrschaft der Sozialistischen Partei (PS). Der 74-jährige gelernte Jurist Wade, der aus politischen Gründen wiederholt im Gefängnis saß, gilt als liberal. Neuer Ministerpräsident dürfte Moustapha Niasse werden, dessen Oppositionsbündnis zur Wahl Wades aufgerufen hatte. Zwischenfälle bei der Stichwahl am Sonntag wurden nicht gemeldet.

Die Stimmauszählung dauerte am Montag noch an. Bei der zentralen Wahlbehörde in Dakar trafen Ergebnisse aus ländlichen Regionen und die Stimmen der Auslandssenegalesen ein. Dies würde zwar die Stimmenanteile der beiden Kandidaten noch verändern, Wades Vorprung sei aber uneinholbar, verlautete aus dem Innenministerium. Der wahrscheinliche neue Kabinettschef Niasse sagte vor Journalisten, er wolle gegen die Armut und die Korruption in Senegal vorgehen. Niasses "Koalition 2000" hatte nach dem ersten Durchgang zur Wahl Wades aufgerufen.

Wades Erfolg ist der erste Sieg der Opposition seit der Unabhängigkeit von 1960. Er wolle auf dem Weg zur Macht nicht über Leichen gehen, hatte Wade, der seit 26 Jahren die Opposition in Senegal anführt, wiederholt erklärt. Wades Demokratische Partei (PDS) hatte sich mit acht anderen Parteien zu einem Wahlbündnis zusammengeschlossen. Daran waren auch linksgerichtete und linksextreme Parteien beteiligt. Hunderte jubelnde Anhänger vor Wades Haus in Dakar riefen "Sopi, sopi!", das Wort für "Wandel" in der Oulouf-Sprache. "Für Senegal beginnt eine neue Epoche", sagte einer von ihnen. Wade ist Vater zweier Kinder und mit einer Französin verheiratet.

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