Oregon und die Reaktionen : Anschlagsziel Weihnachtsfeier

Das FBI vereitelt ein Bombenattentat im US-Bundesstaat Oregon, doch die amerikanische Öffentlichkeit reagiert kaum - anders als früher.

von
Der Festgenommene: Ein 19-Jähriger mit somalischen Vorfahren.
Der Festgenommene: Ein 19-Jähriger mit somalischen Vorfahren.Foto: Reuters

Das FBI hat einen 19-jährigen US-Bürger somalischer Abstammung festgenommen, der am Freitagabend in Portland, Oregon, einen Autobombenanschlag auf eine gut besuchte Weihnachtszeremonie verüben wollte. Nach FBI-Angaben bestand keine Lebensgefahr für die mehreren Tausend Gäste, die beim Anzünden der Lichter des Weihnachtsbaums auf einem öffentlichen Platz in der Hauptstadt des Staats an der Pazifikküste dabei sein wollten. Die Ermittler hatten den Mann seit über einem Jahr im Visier und anstelle des Sprengsatzes eine ungefährliche Attrappe in dem Lieferwagen installiert. Sie ließen ihn den Anruf von einem Mobiltelefon ausführen, mit dem er die vermeintliche Bombe zünden wollte, um gerichtsfestes Material für die Anklage zu haben.

Das FBI betont, „die Bedrohung war sehr real“. Der 19-Jährige, dessen Name als Mohamed Osman Mohamud angegeben wurde, habe die Tat über Monate vorbereitet. Er habe eindeutig einen Anschlag ausführen wollen, bei dem viele Zivilisten sterben. Die FBI-Agenten, die zum Schein kooperierten, habe er für Komplizen beim Bombenbau gehalten und ihnen Komponenten für den Sprengsatz geschickt. Auf Fragen, ob ihm klar sei, dass er unschuldige Frauen und Kinder töten werde, habe er geantwortet: „Ich plane dies, seit ich 15 bin. Das wird ein Feuerwerk, eine großartige Show.“ Als FBI-Agenten ihn nach dem Telefonanruf zur Zündung festnahmen, rief er „Allahu Akbar“ (Gott ist groß).

Die Scheinkooperation des FBI mit Mohamud hatte im Juni 2009 begonnen. Zuvor war bei der E-Mail-Überwachung verdächtiger Absender aufgefallen, dass er mit einer mutmaßlichen Terrorzelle in Pakistan im Kontakt steht, um sich für den gewaltsamen „Jihad“ ausbilden zu lassen.

Die Nachricht von dem vereitelten Anschlag rief in den USA keine große Resonanz hervor. Das war ein auffälliger Kontrast zu dem misslungenen Attentat auf ein Flugzeug von Amsterdam nach Detroit zu Weihnachten 2009 und dem gescheiterten Versuch, eine Autobombe am Times Square in New York am 1. Mai detonieren zu lassen. In beiden Fällen entgingen die USA nur mit viel Glück einem Blutbad. Die Zündvorrichtungen funktionierten nicht wie geplant. Beide Vorfälle beherrschten über Wochen die Nachrichten und lösten Zweifel an der verlässlichen Terrorabwehr der Regierung unter Präsident Barack Obama aus.

Seit dem Terrorangriff auf New York am 11. September 2001 hat es keinen erfolgreichen großen Anschlag in den USA gegeben. Präsident George W. Bush nannte es seinen größten Erfolg, dass er das Land in den siebeneinhalb Jahren bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt vor Terror geschützt habe. Es gab freilich eine ganze Reihe öffentlich bekannter Attentatsversuche in den mehr als neun Jahren seit 9/11, sowohl unter Bush als auch unter Obama.

Sie fallen im Wesentlichen in drei Kategorien: Erstens Anschläge, deren Vorbereitung den Behörden entgangen war. Dazu gehörte unter Bush der „Schuhbomber“ Richard Reid. Der Brite jamaikanischer Abstammung versuchte im Dezember 2001, ein US-Flugzeug mit Sprengstoff, der in seiner Schuhsohle versteckt war, zum Absturz zu bringen. Zweitens gab es Anschlagsvorhaben, die im frühen Planungsstadium unterbrochen wurden. Ermittler nahmen Menschen fest, die am Telefon oder in E-Mails Angriffe auf den JFK-Flughafen in New York und Raffinerien diskutiert hatten. Das frühe Eingreifen hatte mitunter zur Folge, dass das Beweismaterial nicht für lange Gefängnisstrafen ausreichte. Der jüngste Fall gehört in eine dritte Kategorie: Die Ermittler werden frühzeitig aufmerksam und kooperieren zum Schein, um Beweise zu sammeln. In Deutschland gilt das als juristisch problematisch.

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben