Politik : Orthografie – schon wieder anders?

-

Berlin Die Rechtschreibreform wird womöglich noch weiter zurückgedreht, als bisher angenommen. Der Rat für die deutsche Rechtschreibung werde sich voraussichtlich auch mit der Groß- und Kleinschreibung befassen, sagte der Ratsvorsitzende Hans Zehetmair am Donnerstag dem Tagesspiegel. Damit würde der Rat sein Programm erweitern, ausschließlich Empfehlungen zur Getrennt- und Zusammenschreibung, zur Interpunktion und zur Silbentrennung abzugeben. Bei der Sitzung des 39-köpfigen Expertengremiums am Freitag in Mainz wird der Reformgegner Theodor Ickler beantragen, dass der Rat über Reformschreibweisen wie „heute Abend“ (vor der Reform: heute abend) und „im Übrigen“ (im übrigen) diskutiert. Der Erlanger Sprachwissenschaftler will die weitgehende Rücknahme der Reform erreichen – auch bei der Laut-Buchstaben-Zuordnung („Stängel“ statt früher „Stengel“). Die von Ickler angegriffenen Bereiche der Reform gehören allerdings zu dem Teil der Rechtschreibreform, die die Kultusminister der Länder als „unstrittig“ erklärt hatten und mit denen sich der Rat ausdrücklich nicht in diesem Jahr beschäftigen sollte. Denn seit dem Beginn des neuen Schuljahres sind diese Rechtschreibregeln an den Schulen in 14 Bundesländern verbindlich in Kraft getreten: Fehler, die Schüler bei der Groß- und Kleinschreibung, bei der Laut-Buchstaben-Zuordnung und auch bei der Bindestrich-Schreibung machen, werden jetzt als Fehler gewertet und nicht mehr nur angestrichen. Bayern und Nordrhein-Westfalen hatten sich im Juli entschieden, die Übergangsfrist, in der Fehler nur angestrichen werden, bis August 2006 zu verlängern. Auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte die Hoffnung geäußert, dass sich der Rat für deutsche Rechtschreibung auch noch mit der Groß- und Kleinschreibung befassen würde. -ry

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben