ORTSTERMIN : Aneinander vorbei

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Regionalkonferenz in Düsseldorf: Die
Regionalkonferenz in Düsseldorf: DieFoto: dapd

Der ausländische Gast war verblüfft. Armin Laschet hatte ihn beim Deutschlandtag der Jungen Union am Wochenende getroffen und von der ersten Regionalkonferenz seiner Partei erzählt: „Ja, es ist richtig, die Kanzlerin beantwortet wirklich Fragen und die sind nicht einmal vorher abgesprochen.“ Mit dieser kleinen Episode stimmt der neue Landesvorsitzende der nordrhein-westfälischen CDU die nach Düsseldorf angereisten Parteifreunde auf die Veranstaltung ein, bei der sich Angela Merkel ihrer Basis stellen will. An die 2000 Christdemokraten begrüßt Generalsekretär Hermann Gröhe, auch er ermuntert sie, sich intensiv an der Debatte über die künftige Ausrichtung der Union zu beteiligen. So sitzen die Bundeskanzlerin, ihr Generalsekretär und der Landesvorsitzende nach einer kurzen Einführung oben auf dem Podium und lauschen jenen einfachen Mitgliedern, die ihrer Führung von den Problemen im Lande und in der Partei erzählen.

Die Kanzlerin lacht nur wenig, gelegentlich hat man den Eindruck, sie versinkt hinter ihrem Namensschild, wenn sie sich Notizen macht; an der einen oder anderen Stelle schüttelt sie energisch den Kopf, weil sie etwas für falsch hält, was mehr als einmal vorkommt. Da gibt es harte Attacken gegen wenig arbeitsame Griechen, verbunden mit der Aufforderung, denen bei ihrem Besuch in Athen klar zu machen, dass sie keine weiteren Hilfen zu erwarten haben. „Wir haben keine Lust, bis 67 zu arbeiten, wenn die mit 60 in Rente gehen“, heißt das im Originalton. Ein anderer Christdemokrat wettert gegen die gesamte Europapolitik, weil zu oft gegen selbst gesetzte Regeln verstoßen worden sei. „In Europa wird häufig und massenweise Recht gebrochen“, schimpft der Mann und erhält reichlich Applaus. Neben den großen Themen spielen allerdings auch alltägliche Fragen eine Rolle, wenn etwa eine Mutter darauf hinweist, dass Kinderfeste heute kaum noch möglich sind, weil die Hygieneverordnungen verhindern, dass die Eltern bei solchen Gelegenheiten selbstgebackenen Kuchen auftischen.

Bei ihren Antworten versucht die Kanzlerin tapfer, konkret zu bleiben. Am Ende bleibt allerdings der Eindruck, dass sich auch eine Angela Merkel verirren kann, weil es ihr kaum gelingt, die vielen unterschiedlichen Themen zusammenzuführen. Sie streift Europa, ruft den Fragern zu, man sei doch einer Meinung und geht am Ende nicht die Kritik an den Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank ein. Bei der Rente bleibt sie vage, die Forderung, Beamtenpensionen und normale Ruhestandgelder anzugleichen, kontert sie mit der erhellenden Feststellung: „Es sind unterschiedliche Systeme, das ist richtig.“

An einigen wenigen Punkten erlaubt sich Merkel allerdings klare Aussagen. Den Hinweis, dass sich die CDU zu schnell von der Kernenergie verabschiedet und sich dabei zu weit von Konrad Adenauer entfernt habe, pariert sie eindeutig: „Manches hat sich seit Konrad Adenauer verändert, wir haben das entschieden und ich fange nicht an, dass jedes Jahr neu aufzurollen.“ Dass viel für eine große Koalition spricht und die Union kaum den Eindruck vermittelt, vehement für das bürgerliche schwarz-gelbe Regierungsbündnis einzutreten, mag sie dann doch nicht stehen lassen. „Ich möchte gerne die christlich-liberale Koalition fortsetzen“, wirbt sie. Viel mehr als diesen Satz sagt sie aber auch nicht. Man kann Fragen zwar beantworten, aber trotzdem nicht viel sagen.

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