ORTSTERMIN : Bürgernähe ist Pflicht

Dieter Hanisch beobachtet das Schaulaufen der SPD in Schleswig-Holstein.

von

Die Sozialdemokraten in Schleswig-Holstein haben Willy Brandt entstaubt. Dessen Motto „Mehr Demokratie wagen“ gilt derzeit als Parteilinie, wenn auf insgesamt 16 Vorstellungsveranstaltungen die vier Anwärter für die Spitzenkandidatur zur nächsten Landtagswahl ganz nah an ihre Basis rücken.

Den Auftakt für das wochenlange gemeinsame Schaulaufen von Landeschef Ralf Stegner, dem Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig, der Elmshorner Bürgermeisterin Brigitte Fronzek und dem Kieler Parteimitglied Mathias Stein liefert am Sonntag eine Mitgliederversammlung in Pinneberg. Der dortige Kreisverband hat in den Sitzungssaal des Pinneberger Rathauses eingeladen. Der Klotz ist so grau wie die Stimmungslage der Landes-SPD unmittelbar nach der letzten Landtagswahl Ende September 2009. 25,4 Prozent erzielte die SPD damals nur. Gegenwärtig sehen die Umfragewerte ein wenig besser aus, und die rund 440 Besucher finden gar nicht alle Platz im Pinneberger Rathaus. Einige müssen dem Frage-Antwort-Spiel des Rundfunkmoderators mit dem Quartett über die Lautsprecheranlage im Flur folgen.

Alle vier Kontrahenten gehen fair miteinander um. Albig klatscht einige Male sogar Beifall, als Stegner redet. Als Punktsieger geht in einer anschließenden Abstimmung das Kieler Stadtoberhaupt mit 134 Stimmen hervor, damit liegt Albig 30 Stimmen vor Stegner.

Dabei wirken Albigs erste Statements recht verkrampft und kopflastig. Er gewinnt das Publikum dann aber doch mit seiner Beschreibung eines individuellen Lehrlingsschicksals. Der Kieler Oberbürgermeister weiß die Sympathien auch auf seiner Seite, wenn er am Demokratieverständnis des Bahnchefs Rüdiger Grube im Streit um Stuttgart 21 zweifelt.

Die Elmshorner Bürgermeisterin Fronzek wirbt wiederum um Vertrauen, indem sie ihre Bürgernähe herausstreicht. Zu ihrem Politikstil gehöre es, auf der Straße an der Parkuhr oder im Supermarkt das Gespräch mit den Menschen zu suchen, sagt sie.

Ende Februar haben alle SPD-Mitglieder in Schleswig-Holstein die Möglichkeit, per Briefwahl ihren Favoriten für das angestrebte Ministerpräsidentenamt zu bestimmen. Wenn ein Kandidat es nicht schafft, 50 Prozent der Stimmen auf sich zu vereinen, gibt es einen Monat später eine Stichwahl. Erst dann kommt es zur Nominierungskür auf einem Landesparteitag.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben