ORTSTERMIN : Damit a Ruah is

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Christian Ude ist ein dankbarer Mann. Der Spitzenkandidat der bayerischen SPD benötigt vor der Bundespressekonferenz in Berlin keine Minute, um auf das Thema zu kommen, von dem er glaubt, es könne die Landtagswahl am 15. September doch noch zu seinen Gunsten entscheiden. Horst Seehofer, amtierender Ministerpräsident und Chef der CSU, brachte das Thema am Wochenende in den Wahlkampf ein. Er werde keinen Koalitionsvertrag in Berlin unterschreiben, wenn dort nicht ein Weg zur Pkw-Maut für Ausländer aufgezeigt werde. Ude nimmt die Vorlage Seehofers dankbar auf, und es macht ihm sichtlich Spaß, über die vielen Unmöglichkeiten dieses CSU-Plans zu dozieren.

„Es ist nicht so, dass der CSU hier ein großer populistischer Coup gelingt“, sagt Ude. Jetzt endlich könne man sich nüchtern und sachlich mit dem Thema auseinandersetzen. Und das bedeute: „Wenn die Leute aufgeklärt sind, sind sie hellauf alarmiert.“ Denn eine Maut nur für Ausländer sei nach EU-Recht gar nicht möglich, 95 Prozent dieser „Strafsteuer“ müssten von Deutschen, vornehmlich Berufspendlern, gezahlt werden. Seehofer plane aber eh keinen Rechtsbruch, sondern werde dieses Wahlversprechen nicht einlösen. „Auf diesem Altar wird die CSU ihre Minister nicht opfern“, wahlkämpft Ude. „Die Tage der Gaukler sind gezählt.“

Überhaupt die Zahlen. Möge die CSU ruhig jetzt schon ihre absolute Mehrheit feiern. Die wichtigste Zahl in den Umfragen sei für ihn die 40: So viele Prozent der Wähler seien bis heute unentschlossen, wehrt Ude alle Andeutungen auf die Unmöglichkeit seines Unterfangens, Ministerpräsident zu werden, ab. Ein Swing von lediglich drei Prozent sei nötig, um die Opposition in die Situation zu bringen, die 56 Jahre dauernde CSU-Herrschaft zu beenden. Das wäre, so gibt der SPD-Politiker zu, „eine Sensation“. Und dann? Eine Koalition von SPD, Grünen und den Euroskeptikern der Freien Wähler? Wie soll das gehen? Es gebe tatsächlich Meinungsverschiedenheiten mit den Freien Wählern und ihrem Chef Hubert Aiwanger. „Aber die sind nicht so groß wie die zwischen Seehofer in München und Seehofer in Berlin“, lästert Ude. Regelmäßig habe der in München rote Linien definiert, die er selbst in Berlin übersprungen habe.

Also weiterkämpfen. Pflichtschuldig bedankt sich Ude bei der Bundes-SPD für die Unterstützung, zieht Parallelen zwischen sich und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der wie er selbst für eine große Koalition nicht zur Verfügung stünde, und freut sich diebisch über die Bekanntheit seines Wahlkampfplakats, auf dem er bedeutungsschwanger das Wort „Wort“ hält. Und weil es dem Hobby-Kabarettisten Spaß macht, erklärt er auch noch das Urbayerische an einem Spruch im aktuellen Wahlkampfspot. Dort fordert seine Ehefrau die Wähler auf: „Jetzt wählts ’n halt, damit a Ruah is.“ Das ginge zurück auf die unruhigen Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg. Ein bayerischer Umstürzler habe damals gerufen: „Nacha mach ma halt a Revolution, damit a Ruah is!“

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