ORTSTERMIN : Die Pfeife von Rahlstedt

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Wir sind nur die Kandidaten. Bewerber und amtierender Vorstand. Foto: dpa Foto: dpa
Wir sind nur die Kandidaten. Bewerber und amtierender Vorstand. Foto: dpaFoto: dpa

Ein Apartmenthotel zwischen Hagenbecks Tierpark und dem riesigen Areal des Norddeutschen Rundfunks erlebte am Dienstagabend ein ganz besonderes Schaulaufen. Der als ernsthafter Kandidatencheck gedachte Termin uferte bisweilen zu einem bizarren Politikercasting unter dem Motto „Die CDU sucht den Supervorsitzenden“ aus. Kaum 100 Eimsbüttler hatten sich dazu im Saal mit dem Flair eines Wiener Caféhauses eingefunden, um das künftige Spitzenpersonal der Union live zu erleben.

Die hanseatische CDU leckt ihre von der krachenden Niederlage bei den Bürgerschaftswahlen im Februar noch schmerzenden Wunden, als sie von der nun mit absoluter Mehrheit regierenden SPD aus dem Rathaus gekegelt wurde. Einer hatte gleich nach dem Urnengang sehr schnell „verstanden“: Der Landesvorsitzende Frank Schira kündigte seinen Rückzug an. Bis zum Sommer soll nun Ersatz gefunden werden, und das unter Beteiligung der 9380 Parteimitglieder. Gleich acht Kandidaten haben ihren Hut in den Ring geworfen und sollen nun bis zum 5. Mai in sieben Veranstaltungen durch die Kreisverbände tingeln, ehe es zur Mitgliederabstimmung kommt.

Dieter Bohlen hätte seine Freude gehabt, als der 64-jährige Detlef Bandow- Tadsen sich als „größte Pfeife von Rahlstedt“ vorstellte, seinen Mund spitzte und dann „La Paloma“ flötete, ehe er einige esoterische Losungen preisgab. Der 63-jährige Detlef Felix Hartmann gestand, er wolle als einfaches Mitglied „einfach nur dabei sein“. Inhalte, Führungsqualitäten? Fehlanzeige! Sebastian Fuß (31) schwadronierte von der Bewahrung der Schöpfung und sah die Schuld an allem Unheil bei den Grünen. Der frühere Banker Christian Albert Jacke (50) gab „Changemanagement“ als Erfolgsrezept bekannt und musste sich dann vorhalten lassen, seine Parolen wären alle „Jacke wie Hose“.

Frank Schira und der im Bundestag sitzende Kreisvorsitzende aus Eimsbüttel, Rüdiger Kruse, rollten mit den Augen. Im Publikum hielten sich Schmunzeln und Kopfschütteln die Waage.

Ex-Sport-Staatsrat Rolf Reincke (46) wirkt kompetent, gilt aber wie Marita Meyer-Kainer (56) aus dem Bundesvorstand der Frauen-Union als Außenseiter. Als sie zur Sanierung der Parteifinanzen einen Verkauf der Parteizentrale ansprach, ging ein Raunen durch den Raum.

Am Ende dürfte wohl ein Zweikampf zwischen dem Bundestagsabgeordneten Marcus Weinberg (43) und der neu in die Bürgerschaft gewählten Anwältin Karin Prien (45) stehen. Weinberg wird vorgehalten, bis zum verlorenen Volksentscheid Primarschulbefürworter gewesen zu sein und dem alten Landesvorstand angehört zu haben. Zudem ist er viel in Berlin. Schulreformgegnerin Prien dürfte bei den Frauen punkten, die sich in Hamburgs CDU unterrepräsentiert fühlen. Wie Weinberg plädiert sie für einen Neustart der innerparteilichen Kommunikation.

Gelebte Demokratie wird noch geübt: Ob es bei einem Wahlgang bleibt oder eine Stichwahl folgen könnte, will der Landesvorstand erst nach der Auszählung des Mitgliedervotums am 5. Juni entscheiden.

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