ORTSTERMIN : Im Namen der Hose

Wie Stoiber in Brüssel Bürokratie abbaut

Mirko Weber

Unternehmensberater Roland Berger ist in Brüssel so etwas wie Edmund Stoibers rechte Hand. Stoiber sagt öffentlich „Herr Berger“ zu seinem Partner. Herr Berger spricht von Edmund Stoiber als „Herr Ministerpräsident“, setzt aber, als Mann von Welt, im eher bescheidenen, durch Resopalcharme glänzenden Konferenzraum im Bayerischen Landtag hinzu, er wisse nicht, ob man das hier noch so sagen dürfe. Die Mitglieder des Ausschusses für Europafragen schauen sich in ihrer Eigenschaft als Gastgeber kurz an: Man darf.

Edmund Stoiber reißt seinen Anzugsstoff auf dem Weg zum Podium mit der gewohnten Verve bis oberhalb vom Nabel hoch und ächzt seine klassische Einleitung: „Sooooo!“ Will sagen: Es geht wieder los. Oder, anders gesehen: Es war nie vorbei. Zur Hose an sich hat der von sämtlichen Instanzen der EU zum ehrenamtlichen Leiter der sogenannten High-Level-Group Bürokratieabbau bestallte Stoiber aber auch auf der Ebene des Metaphorischen ein fast schon libidinöses Verhältnis. Fasslich-stofflich nämlich schildert er am Wesen dieses Bekleidungsstücks, was die EU leider nur allzu oft im Inneren zusammenhalte: Gelebte Bürokratie in Brüssel, doziert Doktor Edmund Stoiber in München, müsse man sich vorstellen als einen Menschen, der seine Hose nicht nur mit einem Gürtel bewehre, sondern auch noch Hosenträger brauche. Und um ganz sicher zu gehen, „befestigt er die Hose am Hemd mit Reißnägeln“. Wenn es ein Protokoll gäbe, müsste es jetzt „Heiterkeit“ im Saal verzeichnen.

Was tut Edmund Stoiber in Brüssel, ist in letzter Zeit vereinzelt gefragt worden, mitunter sogar mit einem leisen Hang zum Hämischen in der Diktion. Darauf gibt es, folgt man dem ehemaligen großen Vorsitzenden, eigentlich nur eine Antwort: Er gibt hundert Prozent, wahrscheinlich sogar mehr, um ein „Monster“ zu zähmen. Edmund Stoiber will dieses Monster wieder zu einem Haustier machen, das die „Herzen der Menschheit“ erreicht. Und deswegen wird an Vorschriften gespart, wo es geht. Acht Milliarden Euro haben Stoiber und Berger und die anderen dreizehn High-Level-Grouper bereits eingespart – auf dem Papier. Doch Edmund Stoiber ist wesensgemäß nicht geduldig, bis 2012 sollen die Bürokratiekosten für die Wirtschaft um 25 Prozent runter. Bis dahin gilt, dass man die Querulanten an ihren Hosen erkennen wird. Und dass es in Europa nun mal nicht reicht, den Gürtel enger zu schnallen. Man muss ihn auch ablegen können. Mirko Weber

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