ORTSTERMIN : Jenseits des Vogelzählens

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Der Weg zum Festakt führt durch einen Dschungel: Vögel pfeifen wie im Regenwald, und sie pfeifen auch den Festrednern immer mal wieder dazwischen. Der World Wide Fund for Nature (WWF) Deutschland feiert seinen 50. Geburtstag in der Berliner Kalkscheune. Vor 50 Jahren hatten sich der Tierfilmer und Zoodirektor in Frankfurt am Main, Bernhard Grzimek, der CDU-Politiker Gerhard Stoltenberg, insgesamt eine Gruppe von zehn besorgten Politikern und Unternehmern im Keller einer Bonner Villa getroffen, um einen Verein zur Unterstützung des zwei Jahre vorher gegründeten WWF zu gründen. Zunächst nur als Spendensammler. Aber „nach und nach wurde eine moderne Naturschutzorganisation daraus“, sagt der aktuelle WWF-Präsident Detlev Drenckhahn.

In Drenckhahns Rückblick kommen auch die Vögel wieder ins Spiel. Seine Jugend an der Nordsee, sagt er, hat er damit verbracht, „Vögel im Wattenmeer zu zählen“. Nach 15 seiner 20 Redeminuten steckt Drenckhahn immer noch im Jahr 1974. Doch darin kondensieren 50 Jahre Geschichte – der Weg des konservativen WWF zum wirkungsvollen Umweltverband. 1974 wollte die schleswig-holsteinische Landesregierung das Wattenmeer eindeichen, um neue Felder für die Bauern zu gewinnen. Da wurde aus dem Vogelzähler Drenckhahn ein Aktivist – Unterstützung bekam er dafür vom WWF Holland, erst viel später vom deutschen.

Die Festrede hält Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), mitten in der Hochwasserkrise und kurz vor einer Abstimmung im Bundestag. Ohne die oft unerbetenen Ratschläge des WWF „wären wir nicht, wo wir heute stehen“, sagt er. Zum Hochwasser sagt er Sätze, die schon in den Manuskripten seines Vor-Vorgängers Jürgen Trittin (Grüne) während der Elbeflut 2002 gestanden haben. „Wir müssen den Flüssen mehr Raum lassen.“ Ein Evergreen, fast so alt wie der WWF, der – genau deswegen – übrigens gerade entlang der Elbe einen Deich rückverlegt.

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